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Dubai
Leihmutterschaft in Indien nur noch in Ausnahmefällen

Dubai. Das Geschäft mit Leihmutterschaft in Indien boomt. 80 Prozent der Kunden sollen aus dem Ausland sein. Das soll nun ein Ende haben. Von Christine Möllhoff

Meena Patel ist im neunten Monat schwanger. Aber es ist nicht ihr Kind, das sie unter dem Herzen trägt, sondern das eines fremden Paares. Dafür bekommt sie laut "Hindustan Times" 425.000 Rupien, rund 5600 Euro. Für diese Summe müsste sie sonst sieben bis elf Jahre arbeiten. Die 33-Jährige ist eine von Indiens Leihmüttern, noch jedenfalls. Denn das Land will nun kommerzielle Leihmutterschaften gänzlich verbieten. "Wird die Regierung uns Arbeit und ein Dach über dem Kopf geben?", ärgert sich Patel.

Lange war Indien die Babyfabrik der Welt. Nur in wenigen Ländern konnte man so billig und leicht eine "Gebärmutter mieten", wie Medien die Praxis spitz nennen. Zwar nutzen auch Inder die Dienste von Leihmüttern. Aber 60 bis 80 Prozent der Kunden sind angeblich Ausländer, viele aus Europa, den USA und Australien. Damit will die konservative Regierung von Narendra Modi nun Schluss machen, das Kabinett hat einen entsprechenden Gesetzentwurf gebilligt.

Ausländern, Einzelpersonen und homosexuellen Paaren soll es demnach künftig verboten sein, in Indien eine Leihmutter zu engagieren. Auch indische Paare dürfen diesen Weg nur noch nutzen, wenn sie nach mindestens fünf Jahren Ehe noch immer kinderlos sind. Damit nicht genug: Die Leihmutter muss eine enge Verwandte sein und darf kein Geld nehmen, sondern soll aus rein "altruistischen" Motiven handeln. Bei Verstößen droht Haft bis zu zehn Jahren.

Bei der Vorlage des Gesetzentwurfes nannte Außenministerin Sushma Swaraj Leihmutterschaften einen bedauerlichen Trend. Es sei Mode unter Reichen und Schönen geworden, ihre Kinder von Leihmüttern austragen zu lassen. Damit spielte sich offenbar darauf an, dass nicht nur in Hollywood, sondern auch in Bollywood Stars auf diese Weise Kinder bekommen haben.

Das Verbot dürfte das Aus für viele der 2000 bis 3000 Babykliniken bedeuten. Damit die Leihmütter noch alle Kinder austragen können, soll das Gesetz erst in zehn Monaten in Kraft treten. Es muss noch durch das Parlament. Allerdings sind die Pläne umstritten. Nach Ansicht betroffener Ärzte droht das Gesetz, das millionenschwere Geschäft in die Illegalität zu drängen.

Auch die oppositionelle Kongresspartei spricht von einem "Entwurf aus der Steinzeit". Das Gesetz sei paternalistisch, anti-liberal und von überholten Wertvorstellungen geprägt. Handlungsbedarf sehen freilich fast alle. Kritiker monieren schon seit Jahren, dass der Bereich kaum geregelt ist und die Frauen leicht ausgebeutet werden können. Einige Leihmütter bekommen 9000 Euro, andere werden mit knapp 1000 Euro abgespeist, während Mittelsmänner und Kliniken den Reibach machen.

Aktivisten fordern, lieber die Rechte der Frauen zu stärken. Das Verbot raube ihnen die oft einzige Chance, der Armut zu entkommen. Studien zeigen, dass die Frauen das Geld sehr bedacht einsetzen. Einige kaufen ein Haus, andere legen es für die Ausbildung der eigenen Kinder an. "Mein Jüngster ist zwei Jahre alt. Ich brauche das Geld, um ihn in einen englischsprachigen Kindergarten zu stecken wie seinen älteren Bruder", erzählt die 27-jährige Amrita Singh der "Hindustan Times".

"Wie sonst können wir Hunderttausende Rupien in neun Monaten verdienen", ärgert sich auch Kailash Solanki, die zum zweiten Mal ihren Bauch vermietet. Wenn sie als Tagelöhnerin arbeite, kämen sie und ihr Mann zusammen auf 5000 Rupien, etwa 66 Euro, im Monat. "Wie sollen wir damit unsere zwei Kinder ernähren?" Auch Vandana Yusug hält die Debatte für scheinheilig. "Sie nennen uns Babymaschinen. Aber wenn wir unseren Ehemännern ein Kind nach dem anderen gebären, sagen sie nichts. Für uns macht das keinen Unterschied."

Quelle: RP
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