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Politiker und Poet in einer Person: Leopold Senghor 95-jährig gestorben

zuletzt aktualisiert: 20.12.2001 - 18:46

Paris/Dakar (rpo). Der frühere senegalesische Präsident Léopold Sédar Senghor ist im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in der Normandie gestorben. Der Staatschef tat sich auch auf dem Gebiet der Dichtung hervor.

Der afrikanische Politiker, Dichter und Denker Léopold Sédar Senghor war in vielerlei Hinsicht einer der außergewöhnlichsten Staatschefs des Schwarzen Kontinents. Der frühere senegalesische Präsident, der aus seiner Liebe zu Frankreich niemals einen Hehl gemacht hatte, starb am Donnerstag in seinem Haus in dem kleinen Dorf Verson in der Normandie - wo er im Oktober noch seinen 95. Geburtstag gefeiert hatte.

Die Verbindung von afrikanischem und europäischem Leben sowie die Kombination von politischen und poetischen Fähigkeiten prägten den Staatsmann, der Senegal seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 zwanzig Jahre lang regierte. Senghor, der 1906 in einem kleinen Fischerdorf als Sohn eines reichen Händlers und einer Nomadin geboren wurde, ging nach der Ausbildung an einer katholischen Missionsschule als Stipendiat nach Paris. Die Hauptstadt seiner Kolonialherren formte den Dichter und Politiker.

Hier gründete er, als gewähltes Mitglied der Nationalversammlung, die Partei Senegalesischer Demokratischer Block. Hier kam er in Berührung mit afro-amerikanischen Dichtern der Harlem Renaissance und französischen Literaten wie Rimbaud, Mallarme oder Baudelaire. Zusammen mit seinem Freund, dem afro-karibischen Schriftsteller Aime Cesaire, begründete Senghor in Paris die kulturphilosophische Bewegung Négritude. Ihre Mitglieder warben für eine afrikanische Identität und die Anerkennung ihrer Leistungen in der Neuen Welt.

Senghor kämpfte im Zweiten Weltkrieg in der französischen Armee und lebte 18 Monate lang in deutscher Kriegsgefangenschaft. Anschließend war er der erste Afrikaner, der an die Académie Française berufen wurde.

Als Parlamentspräsident der kurzweiligen Föderation Mali, die aus Senegal und Mali bestand, ging er 1960 zurück nach Afrika. Nach deren Zusammenbruch machte er Senegal zu einem moderaten, westlich orientierten, sozialistischen Staat. 1980 verblüffte er die Welt abermals, indem er tat, was vor ihm noch kein anderer afrikanischer Staatschef getan hatte: Er trat freiwillig von seinem Amt zurück, um es an seinen Premierminister Abdou Diouf weiterzugeben.

Quelle: RPO Archiv

 
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