Gedenken in Berlin ohne Zwischenfälle: Liebknecht und Luxemburg in Berlin gewürdigt
zuletzt aktualisiert: 13.01.2002 - 18:26Berlin (rpo). Mehrere zehntausend Menschen haben am Sonntag im Ostteil Berlins der vor 83 Jahren ermordeten Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedacht.
Zu der Kundgebung an der Gedenkstätte der Sozialisten am Friedhof Friedrichsfelde hatte wie in den Vorjahren unter anderen die PDS aufgerufen. Der designierte PDS-Wirtschaftssenator und Berliner Bürgermeister Gregor Gysi legte zusammen mit dem letzten SED-Ministerpräsidenten der DDR, Hans Modrow, Blumen nieder.
Die Polizei berichtete von einem rundum friedlichen Verlauf. Die Zahl der Besucher an der von der DDR wieder errichteten Gedenkstätte konnte von der Polizei wegen des konstanten Zu- und Abstroms nur geschätzt werden. Allein an einem zusätzlichen Gedenkmarsch durch den Ostbezirk Lichtenberg bis zur Gedenkstätte nahmen den Angaben zufolge bis zu 10.000 Menschen teil. Die Veranstaltung hat sich nach PDS-Angaben zur größten linken Manifestation in Deutschland entwickelt.
Bereits zu DDR-Zeiten veranstaltete das SED-Regime Kundgebungen an der Gedenkstätte für die am 15. Januar 1919 von rechten Freikorpssoldaten ermordeten KPD-Mitbegründer. Im Jahr 2000 unterlag die Demonstration strengsten Sicherheitsvorkehrungen, da ein Mann einen Angriff mit Handgranaten und Maschinenpistole auf die Teilnehmer angedroht hatte.
Die Gedenkstätte war in den 20er Jahren auf KPD-Beschluss von Mies van der Rohe errichtet, von den Nazis eingerissen und in den 50er Jahren von der DDR wiederrichtet worden. Die Gedenkveranstaltung findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im Januar statt.
Der designierte PDS-Kultursenator Thomas Flierl erklärte, dass der rot-rote Berliner Senat Rosa Luxemburg erstmals ein öffentliches Denkmal setzen wolle. In einem Beitrag für die parteinahe Zeitung "Neues Deutschland" schrieb er am Freitag, im geteilten Berlin habe das Denkmal weder im Ost- noch im Westteil der Stadt eine Chance gehabt.
Ein von der DDR beschlossenes Memorial sei nie realisiert worden, im Westteil sei für die Sozialistin ein Denkmal politisch nicht durchsetzbar gewesen. So sei das Gedenken fast ausschließlich an den Tatort am Landwehrkanal oder die Gedenkstätte reduziert gewesen. Die DDR habe das Gedenken wie zuvor die stalinisierte KPD zu Vorbeimärschen an der Parteiführung missbraucht. Das geplante Denkmal solle laut Koalitionsvereinbarung auf dem gleichnamigen Platz im Bezirk Mitte errichtet werden.
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