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Prozess-Auftakt in den Niederlanden: Lockerbie: Libyer bekräftigen Unschuld

zuletzt aktualisiert: 03.05.2000 - 15:54

Camp Zeist/Niederlande (AP). Zum Auftakt des Lockerbie-Prozesses vor einem Sondergericht in den Niederlanden haben sich die beiden angeklagten Libyer für unschuldig erklärt.

In dem eigens dafür gebauten Gerichtsgebäude auf dem ehemaligen US-Militärstützpunkt Camp Zeist verlasen drei schottische Richter die Anklageschrift. Abdel Basset Ali el Megrahi und Lamen Khalifa Fhimah müssen sich wegen Mordes und Verschwörung verantworten. Sie sollen im Auftrag des libyschen Geheimdienstes den Bombenanschlag auf die Boeing-747 verübt haben, bei dem im Dezember 1988 über der schottischen Ortschaft Lockerbie 270 Menschen getötet wurden. Der Prozess findet nach schottischem Recht statt.

Die beiden Angeklagten widersprachen den Anschuldigungen und beteuerten erneut ihre Unschuld. Ihre Verteidiger erklärten, die Bombe sei von einer ihnen nicht bekannten Terrorgruppen in das Flugzeug der US-Gesellschaft Pan Am gebracht worden.

In dem Prozess sollen zunächst Polizisten, Ermittler und britische Luftfahrtexperten gehört werden. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, bis zu 1.000 Zeugen zu befragen. Das Gericht will bis zum 28. Juli fast täglich zusammenkommen, dann soll die Verhandlung bis zum 22. August vertagt werden. Mit einem Urteil wird in etwa einem Jahr gerechnet. Bei einem Schuldspruch droht den Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe in Schottland.

Die Verhandlungen stehen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Die Angeklagten wurden im April 1999 nach jahrelangem Streit ausgeliefert, die 1992 verhängten UN-Sanktionen gegen Libyen wurden daraufhin aufgehoben. Bei den bisher umfangreichsten Ermittlungen zu einem Mordfall wurden bisher 15.000 Zeugen in 20 Ländern befragt und 180.000 Beweisstücke geprüft.

Hinterbliebene von Opfern des Anschlags beschuldigten vor Prozessbeginn die libysche Regierung. "Wir wollen die Regierung zur Rechenschaft ziehen, nicht diese Kerle", sagte der Amerikaner Bruce Smith, dessen britische Frau Ingrid in dem Flugzeug war. "Dies sollte der Anfang sein, nicht das Ende."

Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi erklärte, seine Regierung habe nichts mit dem Anschlag zu tun. Dem britischen Sender Sky News sagte Gaddafi, das Gericht urteile darüber, ob die Angeklagten der Tat schuldig seien, nicht ob sie zum libyschen Geheimdienst gehörten. Die Frage, ob er den Anschlag persönlich befohlen habe, bezeichnete Gaddafi als absurd.

Quelle: RPO Archiv

 
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