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270 Menschen bei Flugzeugabsturz 1988 getötet: Lockerbie-Prozess: Ignorierte Anklage Entlastungsbeweise?

zuletzt aktualisiert: 11.01.2001 - 14:22

Camp Zeist/Niederlande (AP). Die Verteidiger im Prozess um den Flugzeugabsturz von Lockerbie haben in ihrem Schlussplädoyer der Anklage vorgeworfen, wichtige Beweise zur Entlastung ihrer beiden libyschen Mandaten ignoriert zu haben.

Anwalt William Taylor machte am Donnerstag zu Beginn seiner Ausführungen erneut palästinensische Terroristen für den Bombenanschlag auf einen Pan-Am-Jumbo verantwortlich, der am 21. Dezember über der schottischen Ortschaft Lockerbie abstürzte und 270 Menschen in den Tod riss.

Dagegen hatte Staatsanwalt Alastair Campbell am Vortag in seinem Schlussplädoyer erklärt, die Beweise für die Schuld der Angeklagten Lamen Chalifa Fhimah und Abdel Basset Ali el Migrahi seien klar. Die Anklage hat einen Schuldspruch wegen Mordes gefordert. Fhimah und Migrahi haben wiederholt ihre Unschuld erklärt.

Anwalt Taylor machte für den Anschlag die palästinensische Untergrundorganisation Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando (PFLP-GC) verantwortlich. Die PFLP-GC habe die Mittel gehabt, das Flugzeug zu zerstören, erklärte er. Taylor verwies auf ein wenige Monate vor dem Anschlag von der deutschen Polizei ausgehobenes Versteck der Untergrundorganisation, in dem Sprengstoff und Teile zum Bau einer Bombe gefunden wurden. Die Bauteile seien von ähnlicher Art gewesen, wie jene, die nach dem Absturz der Pan-Am-Maschine gefunden worden seien. Die deutsche Polizei stellte in dem Versteck damals auch einen Flugplan der Pan Am sicher sowie unbenutzte Gepäckschildchen der Lufthansa.

Angeklagten droht lebenslange Haft als Höchststrafe

Sollten Fhimah und Migrahi wegen Mordes schuldig gesprochen werden, droht ihnen lebenslange Haft als Höchststrafe. Beobachter erwarten das Urteil frühestens in der kommenden Woche. Nach schottischem Recht ist außer einem Frei- oder Schuldspruch auch die Formel "unbewiesen" möglich. Eine mathematische Sicherheit für die Schuld der Angeklagten gebe es in diesem Indizienprozess nicht, räumte Campbell ein. Dies sei aber auch nicht notwendig. Der Prozess findet nach einer internationalen Vereinbarung vor einem schottischen Gericht in den Niederlanden statt. Die Hauptverhandlung begann am 3. Mai vergangenen Jahres.

Am Dienstag hatte der Staatsanwalt detailliert den Hergang der Tat rekonstruiert. Nach Campells Darstellung wurde ein Koffer mit der Bombe am Morgen des 21. Dezember 1988 in Malta an Bord eines Fluges nach Frankfurt am Main geschmuggelt. Der Sprengsatz sei in ein Radiokassettengerät eingebaut gewesen. Auf Grund lückenhafter Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen sei der Koffer auf den Pan-Am-Flug 103A nach London verladen worden, sagte Campbell. Die Bombe explodierte um 19.02 Uhr, als sich die Maschine auf dem Weg von London nach New York befand.

Quelle: RPO Archiv

 
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