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Anschlag zerstörte PanAm-Maschine 1988: Lockerbie-Prozess: Verteidigung bestreitet Schuld der Lybier

zuletzt aktualisiert: 12.01.2001 - 15:39

Kamp Zeist (dpa). Im Prozess um den Flugzeugabsturz von Lockerbie hat am Freitag die Verteidigung versucht, die Beweisführung der Anklage zu erschüttern. Kronanwalt Bill Taylor bestritt erneut, dass die zwei angeklagten Libyer den Bombenanschlag vom 21. Dezember 1988 auf die PanAm-Maschine über der schottischen Stadt Lockerbie verübt hätten.

Damals waren 270 Menschen ums Leben gekommen. Zum Abschluss seines Plädoyers für den 48 Jahre alten Abdel Bassit Ali el Mekrahi zog Taylor die Stichhaltigkeit nahezu aller von der Anklage vorgebrachten Argumente in Zweifel. Bereits am Vortag hatte er auf die Möglichkeit verwiesen, dass eine im Oktober 1988 in Deutschland ausgehobene Zelle der Volksfront zur Befreiung Palästinas - Generalkommando (PLFP-GC) den Anschlag verübt haben könne.

Für den zweiten Angeklagten, den 44 Jahre alten Amin Chalifa Fuheima, wird Kronanwalt Richard Keen am Dienstag nächster Woche von den in den Niederlanden tagenden schottischen Richtern Freispruch fordern. Nach schottischem Recht genügen berechtigte Zweifel der Richter, um die Anklage als nicht bewiesen zu erachten und die Angeklagten freizusprechen. Der Ankläger hatte dagegen am Mittwoch die Vorwürfe als bewiesen bezeichnet und Verurteilung der Angeklagten wegen Mordes gefordert.

Taylor bezweifelte insbesondere, dass es die beiden Angeklagten gewesen sein müssten, die von Malta aus einen Koffer mit der Bombe via Flughafen Frankfurt in die später von London gestartete Maschine geschleust hätten. Das Großraumflugzeug auf dem Weg nach New York war über Lockerbie durch die Explosion der Bombe zerstört worden.

Die Kofferabfertigung in Frankfurt sei seinerzeit so stark unter Druck gewesen, dass das Personal nicht alle Sicherheitskontrollen habe vornehmen können, betonte Taylor. Aus mindestens einer Zeugenaussage während des Prozesses sei hervorgegangen, dass ein Unbekannter in Frankfurt ohne weiteres einen Koffer in das System habe einschleusen können.

Nach dem Abschluss der Plädoyers wird mit mindestens einwöchigen Beratungen der Richter gerechnet, ehe das Urteil verkündet wird. Der Prozess nach schottischem Recht hatte am 3. Mai auf dem früheren Militärstützpunkt Kamp Zeist in den Niederlanden begonnen. Libyens Revolutionsführer Muammar el Gaddafi hatte dem Verfahren gegen seine zwei Landsleute erst zugestimmt, als nach langwierigen Verhandlungen die Niederlande als Schauplatz des Prozesses gefunden worden waren. Ursprünglich war mit einer Prozessdauer von mehr als einem Jahr gerechnet worden.

Quelle: RPO Archiv

 
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