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Angeblich schon seit zehn Jahren: London wusste von Schaden durch Uran-Munition

zuletzt aktualisiert: 08.01.2001 - 10:28

London/Brüssel/Moskau (dpa). Die britische Regierung wusste angeblich schon seit zehn Jahren, dass Soldaten durch den Einsatz uranhaltiger Munition im Golfkrieg und auf dem Balkan gefährdet waren. Dies räumte das Verteidigungsministerium nach Presseberichten ein. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte am Sonntag, dass Uran- Munition auch bei Übungen auf Schießplätzen in Großbritannien eingesetzt worden ist.

Der Verteidigungsausschuss des Unterhauses kündigte unterdessen eine Anhörung über die Auswirkungen des so genannten Balkan-Syndroms an. Dabei soll auch Verteidigungsminister Geoff Hoon vorgeladen werden.

Auch die EU-Kommission will nach Angaben ihres Präsidenten Romano Prodi bei der Untersuchung des «Balkan-Syndroms» mitwirken. Gemeinsam mit öffentlichen Verwaltungen und internationalen Organisationen sollten deshalb Informationen über die Lage in der Balkan-Region beschafft und ausgewertet werden.

Die britische Regierung hatte sich bisher allen Forderungen widersetzt, die möglicherweise betroffenen Soldaten medizinisch untersuchen zu lassen. Nach wie vor heißt es offiziell, das Risiko der Verseuchung werde gering eingeschätzt. Falls sich diese Einschätzung durch die Vorlage neuer «Beweise» ändern sollte, wäre die Regierung allerdings bereit, sich dem Problem nochmals anzunehmen.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Bruce George, betrachtet eine parlamentarische Untersuchung dagegen als dringlich. Er dürfe nicht zugelassen werden, dass die Regierung sich diesmal genau so zögerlich verhalte wie bei den Beschwerden von Golfkrieg- Veteranen, die seit Jahren über verschiedene Krankheitssymptome berichteten. Bei seiner ersten Sitzung am 10. Januar werde der Ausschuss voraussichtlich auch den Verteidigungsminister zur Anhörung laden, sagte George.

Die Weltgesundheitsorganisation und die UN-Verwaltung im Kosovo (UNMIK) stellten unterdessen keine Zunahme von Leukämie-Fällen in der Provinz fest. Berichte über Gefahren wegen der Geschosse aus abgereichertem Uran, die die US-Streitkräfte gegen serbische Panzer eingesetzt hatten, würden aber «extrem ernst» genommen.

Bei den etwa 5 000 russischen Soldaten auf Friedensmission auf dem Balkan wurden bislang keine durch Radioaktivität verursachten Krankheiten festgestellt. Alle sollten jedoch untersucht werden. Das sagte der Kommandeur der russischen Luftlandetruppen, Generaloberst Georgi Schpak, am Samstag in Moskau. Russland hat 3 616 Fallschirmjäger in das Kosovo entsandt und weitere 1 400 nach Bosnien-Herzegowina. Die NATO-Luftangriffe auf das Kosovo hätten vor allem die Sektoren getroffen, in denen heute deutsche und italienische Soldaten Dienst tun, hieß es.

Die rätselhafte Erkrankung eines bulgarischen Soldaten nach seinem Einsatz im Kosovo 1999 soll jetzt in Deutschland untersucht werden. Der Mann leidet seit seinem Kosovo-Einsatz unter Muskelschwund, Schmerzen in den Gliedern und Haarausfall. In der Schweiz soll geprüft worden, ob ein Hauptmann eventuell wegen der eingesetzten Uran-Munition an Leukämie gestorben ist. Der Mann war ab 1996 bei den Gelbmützen in Bosnien im Einsatz gewesen.

Quelle: RPO Archiv

 
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