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Ehemaliger Ministerpräsident
Trauer um Lothar Späth

Fotos: Lothar Späth: Sein Leben in Bildern
Fotos: Lothar Späth: Sein Leben in Bildern FOTO: dpa, ude htf tba
Stuttgart. Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) ist tot. Der Christdemokrat starb im Alter von 78 Jahren. Er lebte zuletzt in einem Pflegeheim und war an Demenz erkrankt.

Über den Tod des Politikers sei das Staatsministerium in Stuttgart am Freitag informiert worden, sagte ein Sprecher der Landesregierung der dpa. Der CDU-Politiker starb im Alter von 78 Jahren nach längerer Krankheit.

Lothar Späth war von 1978 bis 1991 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Im Zuge der "Traumschiff-Affäre" trat er am 13. Januar 1991 zurück und legte im Juli des Jahres sein Mandat als Landtagsabgeordneter nieder. Späth hatte sich zahlreiche private oder halbprivate Reisen von der Wirtschaft finanzieren lassen, so der Vorwurf.

Bei seinen Auftritten im fälligen Untersuchungsausschuss im Landtag wies er einen Zusammenhang von rund 500 Reisen auf Firmenkosten und politischen Gefälligkeiten als "unrealistisch" zurück. Und: "Abhängig habe ich mich nicht gefühlt." Eine greifbare Einflussnahme wurde in der Tat nicht nachgewiesen.

Bundesrat würdigt ehmaligen Ministerpräsidenten

Späth habe sich "großartige Verdienste" um sein Bundesland erworben, sagte Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Freitag während einer Sitzung der Länderkammer. Dort gedachte der Bundesrat des gestorbenen ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten.

Beim Aufbau der ostdeutschen Bundesländer sei man ihm "zu großem Dank verpflichtet", das gelte für Sachsen, aber auch für Thüringen und das Unternehmen Jenoptik. "Wir teilen die Trauer der Angehörigen um Lothar Späth." Er sei "ein großartiger Politiker der Bundesrepublik Deutschland" gewesen, sagte Tillich.

Der Politiker war an Demenz erkrankt

Die Tochter des ehemaligen Politikers hatte Anfang März erklärt, dass ihr Vater in einem Pflegeheim lebe und an Demenz erkrankt sei. Es gehe ihm leider nicht gut, hatte sie gesagt.

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Lebensleistung des gestorbenen CDU-Politikers gewürdigt. Als Ministerpräsident von Baden-Württemberg habe sich Späth bleibende Verdienste erworben. "Mit eigenständigen und zuweilen unbequemen Standpunkten vertrat er konsequent die Interessen seiner Landsleute", schrieb Gauck am Freitag. "Lothar Späth hat sich um unser Land verdient gemacht. Wir werden ihn nicht vergessen."

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat den Einsatz des Ex-Ministerpräsidenten für Baden-Württemberg und die CDU hervorgehoben. "Seine Kreativität und seine Ideen haben die Wirtschaft beflügelt und damit dem Wohl aller Menschen gedient", erklärte Kauder am Freitag in Berlin. "Lothar Späth hat das Land Baden-Württemberg vorangebracht." Kauder hat seinen Wahlkreis in Baden-Württemberg.

Nach Ansicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat Baden-Württemberg durch den Tod von Späth eine herausragende und prägende Persönlichkeit verloren. "Er war ein Visionär im besten Sinne, weltoffen, mit Weitblick, mutig und bürgernah", sagte Kretschmann über den Tod des früheren Regierungschefs am Freitag in Stuttgart.

"Er hat für Baden-Württemberg die Tür zur Welt geöffnet. Und das nicht nur im wirtschaftlichen Sinne." Das "Cleverle" habe das Land weit nach vorne gebracht und modernisiert, sagte Kretschmann.

Nach der Politik ging Späth in die Wirtschaft

Nach dem Ende seiner politischen Laufbahn war Späth in die Wirtschaft gewechselt und hatte von 1991 bis 2003 das Jenaer Optikindustrieunternehmens Jenoptik geleitet. Außerdem moderierte er zwischen 1997 und 2001 die wöchentliche Sendung "Späth am Abend" auf n-tv. Ab 2005 startete die Sendung neu, allerdings nur noch monatlich.

Die Politik hat Späth aber nie ganz aus den Augen verloren. Mit seinen Kontakten agierte er hinter den Kulissen immer wieder als Strippenzieher. Beim Bundestagswahlkampf 2002 war der CDU-Mann Mitglied im Schattenkabinett von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber - als möglicher Wirtschaftsminister.

1968 schaffte er es erstmals in den Landtag

Der am 16. November 1937 in Sigmaringen geborene Späth wurde 1968 erstmals als Abgeordneter in den Landtag gewählt. Vier Jahre später wurde er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag. 1978 wurde er zum Innenminister ernannt. Zuvor hatte der Schwabe mehrere Ministerposten abgelehnt.

Nach dem Rücktritt seines Vorgängers Hans Filbinger wurde Späth am 30. August 1978 zum neuen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs gewählt. Er war damals der jüngste Regierungschef. Bei den folgenden drei Landtagswahlen konnte er die absolute Mehrheit seiner Partei verteidigen. Späth galt als rastlos und neugierig, er liebte den Disput und glaubte an den Fortschritt. Dazu passt auch, dass er im Jahr 1985 bei einem USA-Besuch den schnellsten Rechner der Welt kaufte.

Späth hatte den Spitznamen "Cleverle"

Bis 1991 war Späth auch Landesvorsitzender der CDU. 1981 bis 1989 war der Politiker stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei. Seinen Spitznamen "Cleverle" hatte er auch seinem Geschick in Wirtschaftsangelegenheiten zu verdanken. In diesem Bereich trieb er Baden-Würtemberg während seiner Regierungszeit stark voran.

Späth war während seiner Amtszeit als Regierungschef auch immer wieder auf der bundespolitischen Bühne vertreten. Er wurde in der Union damals auch als mögliche Alternative zu Kanzler Helmut Kohl (CDU) gehandelt. Beim Bremer Bundesparteitag der CDU 1989 wurde Späth abgestraft und schaffte nicht den Wiedereinzug in das CDU-Präsidium.

Anführer der parteiinternen Opposition gegen Kohl

Späth galt als Anführer der parteiinternen Opposition gegen Kohl.
Angetreten gegen Kohl ist er damals aber nicht. "Er hätte sich auf den Weg des Kanzleranwärters begeben können, besaß aber diesen Rebellenmut nicht", schreibt Marlis Prinzing in der Späth-Biografie "Wandlungen eines Rastlosen".

Dass Späth aus jedem Tiefschlag scheinbar gestärkt hervorgeht und einen Neuanfang schafft, hat mit seinem Lebensmotto zu tun: "Man kann, was man will".

Späth bereute es, kein Abitur gemacht zu haben

Der in einem streng pietistischen Elternhaus aufgewachsene Schwabe, hatte aus Ärger über seinen Vater als Zehntklässler das Gymnasium verlassen und stattdessen eine Ausbildung in der Verwaltung gemacht. Diesen Schritt hatte er später immer wieder bereut. Denn das Jurastudium, zu dem es ihn hinzog, blieb ihm so verwehrt.

In den letzten Jahren war es um den CDU-Politiker ziemlich ruhig geworden. Er tauchte praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Mit dem Rückzug ins Private mied Späth auch das Fernsehen. 2014 machte er dann noch einmal Schlagzeilen, als er die Trennung von seiner Frau bekannt gab. Eine Scheidung sei aber kein Thema, sagte er damals.

Späth war 51 Jahre lang verheiratet. Gemeinsam mit seiner Frau hat er eine Tochter und einen Sohn. 

(rent/dpa)
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