Flugzeugentführer spurlos verschwunden: Luftpiraten sollen auf dem Weg nach Pakistan sein
zuletzt aktualisiert: 02.01.2000Kandahar/Neu Delhi (dpa). Nach dem glücklichen Ende des achttägigen Geiseldramas in dem entführten indischen Airbus sind die fünf Luftpiraten und drei von ihnen freigepressten kaschmirischen Separatisten spurlos verschwunden. Nach Angaben des indischen Außenministers Jaswant Singh sollen die acht nach der unblutigen Beendigung der Entführung am Silvesterabend von Kandahar in Südafghanistan in Richtung der pakistanischen Grenzstadt Quetta abgereist sein.
Über ihren weiteren Aufenthalt wurde nichts bekannt. Singh beschuldigte Pakistan indirekt der Komplizenschaft mit den Kidnappern.
Die Luftpriaten hatten nach acht Tagen Nervenkrieg ihre zuletzt 155 Geiseln gegen drei aus indischer Haft freigepresste kaschmirische Separatisten, unter ihnen der Anführer der radikalen pan- islamistischen Organisation Harkat ul Mudschahedin, Masood Azhar, ausgetauscht. Weltweit hatte der glückliche Ausgang große Erleichterung ausgelöst.
Kurz nach ihrer Freilassung erhoben einige der Geiseln schwere Vorwürfe gegen das afghanische Taliban-Regime. Nach der Ankunft des Flugzeugs in der südafghanischen Stadt Kandahar seien die Entführer mit neuen und besseren Waffen versorgt worden, berichteten indische Zeitungen am Samstag unter Berufung auf befreite Geiseln. Auch hätten sie sich freundschaftlichen mit den Bewachern des Flugzeugs unterhalten.
Indiens Regierungschef Atal Behari Vajpayee verteidigte sich im Fernsehen gegen Kritik an seinem Einlenken. Die Sorge um die Sicherheit der Geiseln und die langfristigen Interessen der Nation hätten die Entscheidungen der Regierung geleitet. Man habe die Forderungen der Luftpiraten "substanziell herunterhandeln können".
Die freigelassenen Geiseln, darunter etwa ein Dutzend Europäer, wurden in zwei Maschinen nach Neu Delhi geflogen. Dort erhielten sie einen begeisterten Empfang. Die meisten Geiseln stiegen selbstständig die Gangway hinunter und befanden sich offensichtlich in gutem körperlichem Zustand. Einige gingen in die Knie und berührten den Boden als Zeichen des Dankes für ihre wiedergewonnene Freiheit. Jedem einzelnen wurde eine Rose überreicht. Die der Todesangst entkommenen Menschen fielen ihren Angehörigen überglücklich in die Arme und wurden dann zur medizinischen Untersuchung in Krankenhäuser gebracht.
Indien beugte sich damit erstmals einer terroristischen Erpressung von Flugzeugentführern. Die fünf Luftpiraten, moslemische Kaschmir- Rebellen, hatten ursprünglich sogar die Freilassung von 36 Gesinnungsgenossen aus indischer Haft und 200 Millionen Dollar Lösegeld verlangt.
Sie erstachen in den ersten Stunden einen indischen Passagier, der sich ihren Anweisungen widersetzt hatte. Insgesamt 27 Geiseln - Frauen, Kinder und ein zuckerkranker Inder - wurden in den ersten Tagen freigelassen.
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