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Luftverkehrskonzept
Verkehrsminister stuft Airport Düsseldorf herunter

Fotos: Warteschlangen am Flughafen Düsseldorf
Fotos: Warteschlangen am Flughafen Düsseldorf FOTO: dpa, mb vfd
Berlin/Düsseldorf. Die Bundesregierung legt Eckpunkte des neuen Konzepts für den Luftverkehr vor. Vorrangig sollen Frankfurt, München und Berlin gestärkt werden. Düsseldorf setzt trotzdem auf mehr Kapazitäten. Von J. Drebes, R. Kowalewsky und T. Reisener

Die Bundesregierung hat erneut gezeigt, dass sie bei verkehrspolitischen Themen auf Distanz zum bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen geht. Als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag die Eckpunkte eines neuen Luftverkehrskonzepts vorlegte, bezeichnete er nur Frankfurt, München und Berlin als Flughäfen von nationaler Bedeutung. In Berlin bezog er sich vorrangig auf den künftigen Großflughafen der Stadt. Düsseldorf als aktuell drittgrößter Flughafen Deutschlands mit 22,5 Millionen Passagieren im Jahr spiele zwar auch weiterhin eine wichtige Rolle, meinte Dobrindt, leiste aber eher Zubringerdienste.

"Diese Entscheidung ist eine Niederlage für NRW", kommentierte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. "Aber der Bund sieht in Berlin als künftigem Großflughafen schon jetzt das extrem schnelle Wachstum und die künftigen riesigen Kapazitäten, wogegen Düsseldorf eben begrenzt ist und langsamer wächst."

Gegner des Flughafenausbaus sehen sich bestätigt

Zustimmung für die Linie der Bundesregierung kommt von Werner Kindsmüller, dem Vorsitzenden der Initiative "Kaarster gegen Fluglärm": "Natürlich bleibt Düsseldorf für die Region wichtig. Aber es zeigt sich, dass der Airport nie ein großer Umsteigeflughafen wie Frankfurt, München oder Amsterdam sein wird." Für ihn gibt es eine politische Schlussfolgerung: "Die geplante Kapazitätserweiterung des Flughafens Düsseldorf sollte nun vom Tisch, weil wir hier kein echtes Drehkreuz haben und haben werden."

Anders bewerten dagegen NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) und Flughafenchef Thomas Schnalke die Luftfahrt-Strategie aus Berlin. "Die Diskussion zum Luftverkehrskonzept des Bundes läuft in die richtige Richtung", sagte Groschek, der bei den Gesprächen zum Luftfahrtkonzept am Dienstag ebenfalls anwesend war. Es gebe "viele gemeinsame Ansätze", sagte er unserer Redaktion. Wichtig sei es, "den Luftverkehrsstandort Deutschland zu stärken und nordrhein-westfälische Interessen zu wahren".

Dazu zählt der NRW-Verkehrsminister auch, dass dem Bund zufolge Köln-Bonn als Frachtflughafen stark bleiben soll. Dagegen würden die Berliner Aussagen die Entscheidung für oder gegen den geplanten Kapazitätsausbau um 19 Prozent in Düsseldorf nicht beeinflussen: "Die Entwicklung hat keinerlei Auswirkungen auf vorgeschriebene Verfahren wie das Planfeststellungsverfahren zur Kapazitätserweiterung des Flughafens Düsseldorf. Diese werden selbstverständlich nach wie vor nach Recht und Gesetz durchgeführt."

Auch Flughafenchef Schnalke sieht sich durch die Herabstufung nicht entscheidend behindert. Wichtig für Düsseldorf sei nicht der Wettbewerb gegenüber anderen Städten, sondern dass der Bund auf einen wachsenden Luftverkehr setze, um die Wirtschaft zu stärken: "Wenn der Bund jetzt Kapazitätserweiterungen bei den großen Flughäfen unterstützen möchte, dann gilt das auch für unser Vorhaben. Wir sind der einzige deutsche Airport, der zur Zeit mehr Kapazitäten beantragt hat. Hier spüren wir Rückenwind."

SPD-Fraktionsvize will bessere Sicherheitskontrolle

Außerdem sieht Schnalke Düsseldorf trotz der Degradierung als wichtigen Umsteigeflughafen: "Als drittgrößter deutscher Airport und mit 2,5 Millionen Umsteigern sind wir ein klassischer Hub-Flughafen. Die formulierte Stärkung der Drehkreuz-Flughäfen ist für uns daher ein positives Signal." Der Manager begrüßte auch, dass der Bund die Flughäfen durch eine bessere Anbindung an die Bahn stärken wolle: "Der künftige Rhein-Ruhr-Express wird uns helfen, dass noch mehr Passagiere mit der Bahn kommen."

Das Luftverkehrskonzept sieht auch vor, dass die Sicherheits-Prozesse an Flughäfen optimiert werden. Innerhalb der Bundesregierung ist das Konzept umstritten. SPD-Fraktionsvize Sören Bartol spricht sich nun für eine Verstaatlichung aus. "Angesichts der unsicheren Sicherheitslage sollten wir über eine Verstaatlichung der Sicherheitskontrollen an Flughäfen nachdenken", sagte Bartol unserer Redaktion. Es brauche hier bessere Kontrollen und höhere soziale Standards für die Beschäftigten, sagte er. Kritik übte er an der Unionsseite: "Ich bedauere, dass wir mit dem Bundesinnenminister und der Union in den Haushaltsverhandlungen bisher keine Entlastung bei den Luftsicherheitskosten erreichen konnten", sagte Bartol.

Quelle: RP
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