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Bernhard Vogel(cdu)
"Man kann mit der AfD nicht regieren"

Der langjährige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen über die politischen Nachbeben der jüngsten Landtagswahl.

Die Volkspartei CDU liegt in Mecklenburg-Vorpommern erstmals bei einer Wahl hinter einem politischen Newcomer. Ist das eine Katastrophe?

Vogel Nun mal langsam: Ich habe in fünf Wahlkämpfen als Spitzenkandidat die Erfahrung gemacht, dass man bei Landtagswahlen leichter gewinnt, wenn der Kanzler der anderen Partei angehört. Man wird in Landtagswahlkämpfen immer auch für die Bundespolitik des eigenen Kanzlers verantwortlich gemacht.

Sie reden sich das Ergebnis vom vergangenen Sonntag schön?

Vogel Nein, das, was am vergangenen Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern passiert ist, empfinde ich als bedrückend für die CDU.

Wolfgang Bosbach schließt aus den erneuten Wahlverlusten der CDU, dass viele ihrer früheren Sympathisanten mittlerweile politisch heimatlos geworden sind. Richtig?

vogel Ich antworte Herrn Bosbach: Noch mehr frühere Wähler der SPD und der Linken fühlen sich offenbar heimatlos, denn die Verluste von SPD und Linken sind höher als die der CDU. Die SPD nimmt in Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt den vierten Platz ein, trotzdem ist die Aufregung darüber begrenzt.

Ihr Urteil über die AfD?

Vogel Sie ist ein ernstzunehmendes Phänomen, aber ich plädiere dafür, die Kirche im Dorf zu lassen. Die meisten AfD-Wähler wollen Protest artikulieren und nicht dem Programm oder gar der Führungscrew der AfD zustimmen.

Wie gewinnt Ihre Partei die zur AfD abgewanderten Wähler zurück?

Vogel Indem sie sich weniger mit der AfD, aber mit deren Wählern beschäftigt. Alle Parteien, die zugunsten der AfD Wähler verloren haben, müssen sich intensiver fragen, warum die Denkzettel verteilt wurden.

Leidet die CDU mittlerweile unter einem Merkel-Malus?

Vogel Wenn Frau Merkels Aussagen richtig sind, bin ich bereit, dafür auch ein paar Prozent Verlust in Kauf zu nehmen. Wir in der CDU sind doch kein billiger Jakob. Wir haben eine politische Idee, und für die muss besser geworben werden.

Welche Idee meinen Sie?

Vogel Dass es zum C in unserem Namen gehört, dass man Menschen, die in Lebensgefahr sind, rettet und ihnen Aufnahme gewährt.

Aber viele der Eingereisten sind Menschen, die freiwillig aufbrechen und hier ein besseres Leben suchen.

Vogel Stimmt. Das berechtigt uns aber nicht, weil auch "falsche" kommen, die "richtigen" Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken zu lassen.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den CDU-Wahlergebnissen und der Politik der Kanzlerin?

Vogel Natürlich. Ich bin für eine intensive Diskussion, aber nicht für Einseitigkeit. Die SPD hat bei den Wahlen der jüngsten Zeit mehr Prozentpunkte verloren als die CDU.

Einseitig wäre , nach dem Wahlsonntag vom "Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkels" zu sprechen?

Vogel Ja. Man darf den Wahlsonntag in Schwerin nicht nur in Verbindung mit der Kanzlerin sehen.

Hoffen Sie, dass Merkel 2017 noch einmal antritt?

Vogel Ja.

Was halten Sie vom Vorschlag eines früheren Wahlkampfmanagers der CDU, die AfD mit in Regierungsboote zu nehmen, auch weil man sie nur dort demaskieren könne?

Vogel Nein. Man kann mit der AfD nicht nur wegen ihrer Ziele nicht regieren, sondern auch, weil ihr Personal nicht regierungsfähig wäre.

DAS INTERVIEW FÜHRTE REINHOLD MICHELS

Quelle: RP
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