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Krise dramatisch zugespitzt: Marokko besetzt spanische Insel

zuletzt aktualisiert: 12.07.2002 - 21:18

Madrid/Rabat (rpo). Die Besetzung einer spanischen Insel hat die Krise zwischen Marokko und Spanien dramatisch zugespitzt. Vor der Küste Südafrika haben marokkanische Soldaten ein unbewohntes Eiland eingenommen, woraufhin aus Spanien Truppen zu der Insel geschickt wurden.

Die Regierung in Madrid verurteilte den Vorfall am Freitag als "feindlichen Akt" und verstärkte ihre Truppen in der Region. Beide Länder schickten zudem Patrouillen-Boote der Marine in das Gebiet. In einer Protestnote forderte die spanische Regierung den sofortigen Rückzug der Marokkaner. Rabat lehnte dies ab und verwies darauf, die Perejil- Insel sei marokkanisches Territorium. Die EU und die NATO bedauerten den Konflikt, bezeichneten ihn aber als bilaterale Angelegenheit.

Rund ein Dutzend marokkanische Soldaten waren am Donnerstag auf der Insel gelandet und hatten die Flagge ihres Landes gehisst sowie zwei Zelte aufgebaut. Als die Besatzung eines Bootes der spanischen Grenztruppen an Land ging und den marokkanischen Kommandeur zum Verlassen des Eilands aufforderte, hätten seine Männer mit Waffengewalt gedroht, hieß es in Madrid. Die Spanier hätten sich daraufhin zurückgezogen und das Militär alarmiert. Ministerpräsident José María Aznar und sein Verteidigungsminister Federico Trillo kamen zu einer Krisensitzung zusammen.

Die Besetzung fiel mit den Hochzeitsfeierlichkeiten des marokkanischen Königs Mohammed VI. zusammen. Die Regierung in Rabat sagte, auf der Insel sei ein Militärposten errichtet worden, um den Kampf gegen den internationalen Terrorismus und gegen die Schlepperbanden in der Meerenge von Gibraltar zu unterstützen. Madrid bezeichnete dies als Vorwand. Stattdessen wurde gemutmaßt, die Besetzung sei die Antwort auf ein spanisches Marinemanöver vor der Küste Marokkos, gegen das Rabat vergangene Woche heftig protestiert hatte.

"Rabat muss das Status quo sofort wieder herstellen", forderte der stellvertretende spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. Mit der Besetzung verstoße Marokko gegen das Nachbarschaftsabkommen von 1991. Zudem hätten beide Länder bereits vor 40 Jahren vereinbart, auf der Perejil-Insel keine ständigen Einheiten zu stationieren. Am Freitag seien überdies weitere Truppenbewegungen auf einer der vor der marokkanischen Nordküste liegenden Chafarinas-Inseln beobachtet worden. Er erinnerte zudem daran, dass in Spanien rund 200 000 Marokkaner leben.

Die seit den 70er Jahren unbewohnte Perejil-Insel (Petersilien- Insel) ist etwa so groß wie drei Fußballfelder und liegt rund elf Kilometer vor der Küste der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta am Eingang zum Mittelmeer. Spanien hatte sie 1808 in Besitz genommen und später dort zeitweise Soldaten stationiert. Nach Überzeugung Marokkos gehört die Insel dagegen seit dem Ende des spanischen Protektorats 1956 zu seinem Territorium.

Die Beziehungen zwischen beiden Länder stecken seit schon seit Monaten in der Krise. Im Oktober vergangenen Jahres zog Rabat seinen Botschafter aus Madrid ab. Die marokkanische Regierung protestierte damit unter anderem gegen die Haltung Spaniens im Westsahara-Konflikt und die Behandlung marokkanischer Einwanderer in Spanien.

Quelle: RPO Archiv

 
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