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Nach Anschlägen in Casablanca: Marokko ermittelt gegen heimische Islamisten

zuletzt aktualisiert: 18.05.2003 - 12:02

Rabat (rpo). Die marokkanischen Behörden haben nach den verheerenden Bombenanschlägen mit 41 Toten Ermittlungen gegen eine heimische islamistische Organisation aufgenommen.

In Verhören mit einem der mutmaßlichen Täter versuchten die Ermittler herauszufinden, ob die Extremistengruppe Salafia Jihadia hinter den Anschlägen stecke, sagte ein Beamter des Innenministeriums am Sonntag. Die 13 anderen Selbstmordattentäter kamen bei den Anschlägen ums Leben, wie Innenminister Mustapha Sahel am Samstag mitteilte.

Die Attentäter rissen 28 Menschen mit in den Tod, als sie am Freitagabend fünf Bombenanschläge auf jüdische Einrichtungen und ein spanisches Restaurant verübten. Etwa 100 Menschen wurden verletzt, 14 davon schwer. Die meisten Opfer waren Marokkaner, unter den Toten waren außerdem zwei Italiener, zwei Spanier und ein Franzose.

Die verdächtige Gruppe Salafia Jihadia ist seit Monaten im Visier der marokkanischen Polizei. Nach den Anschlägen wurden nach Angaben eines Beamten des Innenministeriums mehrere militante Islamisten aus dem Umfeld der Gruppe befragt. Es sei aber noch zu früh, von Verhaftungen zu sprechen. Innenminister Sahel sagte am Samstag: "Wir haben den starken Verdacht, dass diese Zelle Kontakte zu ausländischen Gruppen hatte."

Nach Einschätzung von US-Sicherheitskreisen könnte das Terrornetzwerk El Kaida hinter den Anschlägen stehen. Das Netzwerk habe Mitglieder in Marokko. Auch US-Präsident George W. Bush machte El Kaida indirekt verantwortlich. "Die Feinde der Freiheit sind nicht untätig, aber wir auch nicht", sagte Bush am Samstag in seiner wöchentlichen Radioansprache mit Blick auf die Anschläge in Marokko und in Saudi-Arabien. "Wir werden die Mörder der El Kaida jagen von Pakistan bis zu den Philippinen und bis zum Horn von Afrika." Obwohl unter den Opfern in Casablanca keine Amerikaner waren, bot die US-Regierung Marokko Hilfe bei der Suche nach den Tätern an.

Die meisten Toten fielen einem Anschlag auf ein spanisches Restaurant zum Opfer. Die Attentäter schnitten dem Wachmann die Kehle durch, um in das Restaurant einzudringen und gegen 21.00 Uhr den Sprengsatz zu zünden, der 19 Gäste tötete. Fast gleichzeitig explodierten in der Innenstadt vier weitere Sprengsätze und beschädigten ein jüdisches Gemeindezentrum, einen jüdischen Friedhof, ein Hotel und das belgische Konsulat. Der Anschlag vor dem Konsulat galt offenbar einem nahe gelegenen Restaurant, dessen Besitzer Jude ist.

Bundesregierung mahnt Marokko-Touristen zur Vorsicht

Bundesaußenminister Joschka Fischer drückte den Opfern und ihren Angehörigen das Mitgefühl der Bundesregierung aus. Die EU verurteilte die Anschläge als "feigen und barbarischen Akt". Die Bundesregierung riet Touristen in Marokko zu erhöhter Aufmerksamkeit, vor allem an Sehenswürdigkeiten und religiösen Kultstätten.

Marokko ist ein treuer Verbündeter der USA. König Mohammed VI. hatte vor dem Irak-Krieg aber davor gewarnt, dass dieser den islamischen Fundamentalismus im Land schüren könnte. In einer im Februar im Internet veröffentlichten Tonbandaufnahme, die El-Kaida-Chef Osama bin Laden zugeschrieben wird, hatte dieser Marokko als einen der US-Verbündeten bezeichnet, der "reif für eine Befreiung" sei.


 
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