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Persönlich
Martin Schulz . . . wirft Hetzer aus dem Parlament

Der Trend zum Nationalismus bei der Europawahl hatte für das Klima im Europaparlament bereits Befürchtungen aufkommen lassen. Nun sah sich Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) gezwungen, eine Rote Karte für die parlamentarische Auseinandersetzung zu ziehen. Der 60-Jährige kam nicht umhin, den rechtspopulistischen griechischen "Morgenröte"-Abgeordneten Eleftherios Synadinos aus dem Saal zu werfen, nachdem der von den Türken als "geistigen Barbaren" gesprochen und sie als "schmutzig" bezeichnet hatte. Bezeichnenderweise fielen diese Äußerungen in der Debatte über den EU-Türkei-Gipfel. Martin Schulz ist ein Europabegeisterter. Für den gelernten Buchhändler aus Würselen ist das grenzenlose Europa von heute nicht selbstverständlich, sondern Aufforderung zu politischer Arbeit. Seit 1994 gehört er dem Europaparlament an.

Ursprünglich wollte Martin Schulz Profi-Fußballer werden, musste aber aufgrund einer Verletzung seine Karriere vorzeitig beenden und verfiel daraufhin dem Alkohol. 1980 überwand er die Sucht. Der Vater zweier Kinder spricht fließend Französisch, Englisch, Niederländisch, Spanisch und Italienisch. Schulz tritt als vielsprachiger Kämpfer gegen Mauschelei der Mächtigen und Regierenden an, als Kämpfer für mehr Arbeitsplätze und mehr Wohlstand. Mit dem Rauswurf des Griechen griff der EU-Parlamentspräsident zu einer ungewöhnlichen Maßnahme, weil er fürchtete, dass der "Rassismus hier salonfähig" werde. Synadinos ist aber nicht der Erste, der gehen musste; vor fünf Jahren traf es den Briten Godfrey Bloom, weil er Schulz mit "mein Volk, mein Reich, mein Führer" angesprochen hatte. Davor ging es um den Nordiren Ian Paisley, der 1988 während einer Rede von Papst Johannes Paul II. den Gast als "Antichristen" beschimpft und ein Transparent hochgehalten hatte.

Gregor Mayntz/ Nicole Scharfetter

Quelle: RP
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