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Regent spricht von "plötzlicher Explosion" der Waffen: Massaker in Nepal nur Unfall?

zuletzt aktualisiert: 03.06.2001 - 14:46

Kathmandu (rpo). Der neu ernannte Regent in Nepal hat das Massaker im Königspalast vom Freitag als Unfall dargestellt. Prinz Gyanendra, der Bruder des erschossenen Königs Birendra, sprach am Sonntag von einer «plötzlichen Explosion» automatischer Waffen.

Diese Version löste in der Bevölkerung große Zweifel aus. "Die Stellungnahme wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet", sagte der Manager einer großen Zeitung. Ein Verwandter der Königsfamilie und die nepalesischen Medien hatten Kronprinz Dipendra (29) als Amokschützen beschuldigt.

Trotzdem war er am Samstag zum neuen König erklärt worden. Seine Ärzte bezeichneten seinen Zustand am Sonntag als "sehr kritisch". Inoffiziell hieß es, er liege im Koma und sei klinisch tot. Die Körperfunktionen könnten nur durch Maschinen aufrechterhalten werden. Wenn Dipendra stirbt, wird sein Onkel Regent Gyanendra (53) König.

Gyanendra benutzte in seiner Darstellung des Massakers vom Freitagabend das Wort Unfall nicht direkt. "Aber was soll das anders heißen, wenn er von einer plötzlichen Explosion spricht?", fragte ein Journalist. "Wer die Leute überzeugen will, muss sich etwas besseres einfallen lassen", meinte ein Manager. Der Rechtsanwalt S. K. Khatry sagte: "Derartige Unfälle passieren nicht. Da Dipendra schon zum König erklärt wurde, soll die Aussage den jungen impulsiven Mann möglicherweise von aller Schuld freisprechen."

Nach Darstellung eines Verwandten und nepalesischer Zeitungen, die aber von niemandem offiziell bestätigt wurde, soll es am Freitag beim traditionellen wöchentlichen Abendessen im Königspalast zum Streit gekommen sein. Anlass sei der Plan von König Birendra (55) und Königin Aishwarya (51) gewesen, Kronprinz Dipendra zu verheiraten.

Streit um zukünftige Ehefrau

Das Königspaar habe eine Wunschkandidatin gehabt, Dipendra eine andere. Mit beiden jungen Frauen sei er eng befreundet gewesen. Wegen des Streits habe Dipendra mit einer automatischen Waffe seine Eltern, seine beiden Geschwister und vier Verwandte getötet und dann auf sich selbst geschossen. Regent Gyanendra, ein Bruder des Königs, war bei dem Essen nicht anwesend.

Dipendras Wunschpartnerin Devyani Rana setzte sich Medienangaben zufolge nach Indien ab. Sie gehört zu einem nepalesisch-indischen Adelsclan. Ihre nepalesische Familie zählt zur mächtigen Rana- Dynastie, wie auch Dipendras Mutter. Der indische Teil der Familie stellte früher die Maharadschas von Gwalior im Norden des Landes.

Zwischen Dipendra und dem König gab es aber auch politische Differenzen. Kronprinz Dipendra war dafür, dass König Birendra nach elf Jahren Demokratie angesichts der gespannten politischen und wirtschaftlichen Lage im Land die Macht wieder an sich reißen sollte.

Schon der Liebeskummer als Begründung für den Amoklauf hatte in der Bevölkerung starke Zweifel ausgelöst. Demonstranten forderten die Bestrafung der Täter. Einige richteten ihre Wut gegen die gewählte Regierung. Andere fragten, warum bei dem Massaker die Familie des Königs bis auf Kronzprinz Dipendra ausgelöscht worden sei, die des Regenten aber nicht.

Die Verbrennung der Leichname am Samstag nach hinduistischem Ritus wurde zur massiven Sympathiekundgebung für die Königsfamilie. Mehr als eine Million Menschen säumten die Straßen in Kathmandu.

Quelle: RPO Archiv

 
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