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Istanbul
Massenprotest gegen Erdogan

Istanbul. Mehr als 100.000 Demonstranten versammeln sich in Istanbul.

Zum Abschluss eines mehr als 400 Kilometer langen Protestmarsches gegen die Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu gestern vor mehr als hunderttausend Demonstranten in Istanbul eine Aufhebung des Ausnahmezustands in seinem Land gefordert. "Wir wollen, dass alle antidemokratischen Praktiken enden", sagte Kilicdaroglu, Chef der größten Oppositionspartei CHP. Erdogan warf er vor, die Justiz zu beeinflussen. Die Gerichte würden ihre Entscheidungen "auf Anweisung des Palastes treffen", sagte er vor jubelnden Anhängern in Anspielung auf Erdogans Präsidentenpalast. "Wir sind marschiert für die Gerechtigkeit, die es hier nicht gibt", rief er bei der Kundgebung im Istanbuler Stadtteil Maltepe. Die Demonstranten skandierten "Recht, Justiz, Gerechtigkeit" und schwenkten türkische Fahnen. Nach Angaben regierungskritischer Medien nahmen an der Kundgebung mehr als hunderttausend Menschen teil. Der CHP-Abgeordnete Özgür Özel bezifferte die Teilnehmerzahl auf 1,6 Millionen. Rund 15.000 Polizisten waren im Einsatz. Kilicdaroglu hatte den "Gerechtigkeitsmarsch" von Ankara nach Istanbul am 15. Juni im Güvenpark der Hauptstadt gestartet. Anlass war die Verurteilung des CHP-Abgeordneten Enis Berberoglu zu 25 Jahren Haft wegen Geheimnisverrats. Der Marsch gewann zunehmend an Zulauf, zeitweise marschierten Tausende mit Kilicdaroglu Richtung Istanbul. Erdogan hatte die Aktion scharf kritisiert.

Der CHP-Chef und seine Unterstützer kritisieren vor allem die Maßnahmen nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016. Unter dem von Erdogan ausgerufenen Ausnahmezustand wurden Zehntausende verhaftet, zahlreiche Medien geschlossen und mehr als 100.000 Staatsbedienstete entlassen.

(dpa)
 
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