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Aufruf zu neuen Verhandlungen: Mazedonien: Albanische Rebellen ziehen sich zurück

zuletzt aktualisiert: 26.07.2001 - 16:11

Skopje (rpo). Nach tagelangen Kämpfen um die Stadt Tetovo haben die albanischen Rebellen am Donnerstag mit dem Rückzug aus der Gegend begonnen. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, wurde die Straße nach Jazince an der Grenze zum Kosovo geräumt. Noch im Laufe des Tages sollten Vorkehrungen für die Rückkehr der Flüchtlinge getroffen werden. Nach dem Abzug haben Europäische Union und NATO die Konfliktparteien zu neuen Verhandlungen aufgefordert.

"Nur durch Dialog und Verhandlungen kann eine dauerhafte Lösung für die Schwierigkeiten gefunden werden, in denen sich Mazedonien befindet", hieß es in einer am Donnerstag von der belgischen EU-Präsidentschaft in Brüssel veröffentlichten Erklärung. Gleichzeitig wurden die Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) und die Regierungstruppen zur Einhaltung der Waffenruhe aufgefordert.

NATO-Generalsekretär George Robertson und der EU-Beauftragte für die Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, versuchten in Verhandlungen mit mazedonischen Politikern, Wege für einen Kompromiss im Streit um Reformen zu finden, die der albanischen Volksgruppe mehr Rechte bringen sollen. In der Nacht hatte es neue Demonstrationen von mehreren hundert Mazedoniern vor westlichen Botschaften gegeben, jedoch ohne neue Ausschreitungen.

Die UCK-Rebellen räumten am Donnerstagvormittag Kampfstellungen nahe dem Zentrum der nordwestlichen Stadt Tetovo. Die Kämpfer hätten sich wie mit der NATO vereinbart in die Berge oberhalb der Stadt zurückgezogen, sagte ein Rebellenkommandant mit dem Decknamen "Iliri" telefonisch. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Skopje teilte der staatlichen Nachrichtenagentur MIA mit, die UCK sei aus den Dörfer Lesok, Neproseno und Tearce abgerückt. Damit seien die Bedingungen für die geplante Rückkehr der vertriebenen Einwohner erfüllt.

Innenministerium will Freischärler verfolgen

Das mazedonische Innenministerium will elf albanische Freischärler wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verfolgen. Die Rebellen, darunter deren politischer Führer Ali Ahmeti, hätten auch gegen internationales Recht verstoßen. "Die Verdächtigen, politische und militärische Führer der so genannten UCK, haben nach vom Innenministerium zusammengetragenen Beweisen diese bösartige, terroristische Bande geschaffen, um Mazedonien zu föderalisieren und das Gebiet in Stücke zu teilen", heißt es in der Erklärung.

Seit Montag hatten sich Rebellen und mazedonische Armee trotz geltender Waffenruhe wieder schwere Kämpfe um die Stadt Tetovo geliefert. Dabei hatten die Rebellen mehrere Stadtteile eingenommen. Noch vor Bekanntwerden des von der NATO vermittelten Rückzugsabkommens hatte die mazedonische Regierung weitere Truppen nach Tetovo verlegt.

Die Kosovo-Friedenstruppe KFOR hat zwölf albanische Rebellen festgenommen und Waffentransporte gestoppt. Die US-Armee im Kosovo teilte am Donnerstag mit, die UCK-Trupps seien im Kosovo an der Grenze zu Mazedonien festgenommen worden. In einem Fall hätten sieben Männer Nahrung und Waffen nordwestlich des Grenzübergangs Globocica nach Mazedonien schmuggeln wollen. Mit sechs Pferden hätten sie 118 Mörsergranaten, 10 Artilleriegranaten, 62 Panzerfäuste sowie Sprengstoff und Munition transportiert. Die Friedenstruppe nahm fünf weitere mutmaßliche Rebellen fest, als sie bei einer Suchaktion in der Region auf Waffen stieß.

Schleswig-Holstein setzt Abschiebung nach Mazedonien aus

Schleswig-Holstein hat die Abschiebung von Flüchtlingen nach Mazedonien ausgesetzt. Innenminister Klaus Buß (SPD) sagte am Donnerstag in Kiel, angesichts der alarmierenden Lage im Mazedonien mit Übergriffen auf Botschaften und dem Schließen der Grenze zum Kosovo habe er an die Länderinnenminister appelliert, bundesweit einem Abschiebestopp zuzustimmen. In Schleswig-Holstein leben derzeit etwa 440 Flüchtlinge aus Mazedonien, von denen 325 einen sicheren Aufenthaltsstatus haben. 25 profitieren von dem Abschiebestopp. Bei den übrigen sind die Asylverfahren noch nicht abgeschlossen.

Quelle: RPO Archiv

 
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