Etappe Zwei der NATO-Aktion: Mazedonien: Bis jetzt sind 160 Waffen eingesammelt
zuletzt aktualisiert: 07.09.2001 - 18:13Skopje/Radusa (rpo). Die NATO hat mit der zweiten Phase der Rebellenentwaffnung begonnen. An Sammelstellen gaben Kämpfer der albanischen Nationalen Befreiungsarmee UCK heute wie in der nordwestlichen Rebellenhochburg Radusa weitere Waffen ab. Bis zum Freitagnachmittag wurden 160 Waffen übergeben, sagte ein britischer NATO-Offizier.
Das Bündnis zeigte sich mit der Zahl und der Qualität der Waffen "sehr zufrieden". Darunter war ein Beutepanzer der mazedonischen Armee, der vor Ort zerstört wurde. In Radusa marschierten rund 200 Rebellenkämpfer singend mit ihren abzuliefernden Waffen wie Gewehren und Panzerfäusten auf, berichtete eine Augenzeugin.
Die Fortsetzung des Einsatzes folgte einen Tag nach der Entscheidung des Parlamentes, das den Friedensplan für das Land im Grundsatz angenommen hatte. Am Freitag sammelten sich jedoch erneut 2000 Demonstranten vor dem Parlament, um gegen den internationalen Druck auf Mazedonien und die ihrer Meinung nach ungenügende Entwaffnung der Rebellen zu protestieren. In einer Protestaktion sammelten sie alte Messer und rostiges Haushaltsgerät, um sich über die NATO-Aktion lustig zu machen.
Binnen 30 Tagen will die NATO-Truppe Task Force Harvest 3300 Waffen von den Rebellen einsammeln. In der ersten Phase waren 1200 Waffen abgegeben worden.
Scharping unterstützt Vorschlag von Vlado Buckovski
Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping setzte sich am Freitag bei seinem Besuch in Mazedonien für ein UN-Mandat bei einer weiteren Friedensmission in dem Krisenland ein. Er unterstützte damit den Vorschlag seines mazedonischen Amtskollegen Vlado Buckovski. Die Mission solle das Vakuum füllen, das nach dem Ende der NATO-Aktion entstehen könne, wurde Scharping von der Mazedonischen Nachrichtenagentur MIA zitiert.
Der EU-Kommissar für Außenpolitik, Chris Patten, hat Mazedonien am Freitag bei einem Besuch in Skopje eine Finanzhilfe in Höhe von 42 Millionen Euro (rund 82 Millionen Mark) zugesagt. Der größte Teil ist für Infrastrukturprojekte bestimmt. Der EU-Beauftragte für die Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, stellte in Skopje weitere Hilfen in Aussicht. Er machte sie aber von der Verwirklichung der vereinbarten Verfassungsreform abhängig.
15 Mazedonier aus der Geiselhaft entlassen
Unterdessen haben die UCK-Rebellen die Freilassung ihrer mazedonischen Geiseln für abgeschlossen erklärt. Das teilte die UCK in einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung mit. Die Rebellen haben danach 15 Mazedonier aus der Geiselhaft entlassen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte aber, weiterhin würden noch 14 verschwundene Mazedonier gesucht.
"Die UCK hat alle Gefangenen auf freien Fuß gesetzt, die in den Gefängnissen waren. Diese Freilassungen geschahen öffentlich, und sie (die Gefangenen) wurden an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz übergeben", teilte der politische Führer der UCK, Ali Ahmeti, mit. Das IKRK versucht jetzt, Informationen über das Schicksal der Verschwundenen zu bekommen. "Wir haben ihre Namen an die UCK übermittelt und arbeiten mit ihnen (den Rebellen), um den Aufenthalt der Vermissten zu ermitteln", sagte eine IKRK-Mitarbeiterin.
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