Minenexplosion fordert achtes Todesopfer: Mazedonien: Gefahr eines Bürgerkrieges wächst
zuletzt aktualisiert: 11.08.2001 - 20:15Skopje/Belgrad (rpo).In Mazedonien wächst nach neuen Gefechten die Gefahr eines Bürgerkriegs. Der Friedensplan soll aber- wie geplant - in zwei Tagen unterzeichnet werden.
Der politische Chef der Albaner- Rebellen, Ali Ahmeti, gab am Samstag zu erkennen, dass er mit dem am Mittwoch paraphierten Plan einverstanden ist.
Die mazedonische Armee versuchte am Samstag mit Kampfhubschraubern, einen von Rebellen umstellten Polizeiposten in Nordmazedonien zu befreien. Laut Verteidigungsministerium war die Aktion erfolgreich. Am Freitagabend demonstrierten Hunderte Mazedonier in Skopje gegen den Westen, weil dieser Partei für die albanischen Rebellen genommen habe. Sicherheitskräfte konnten die Erstürmung der US-Botschaft verhindern.
Einen Tag nach den Minenexplosionen im Norden des Landes erlag am Samstag ein weiterer Soldat seinen Verletzungen. Die sieben anderen Opfer wurden am Samstag beigesetzt. Die Regierung rief den Samstag zu einem offiziellen Trauertag aus. Staatspräsident Boris Trajkovski berief eine Sitzung des Sicherheitsrates ein, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Seit der vorläufigen Unterzeichnung des Friedensvertrags am vergangenen Mittwoch wurden mindestens 19 Soldaten von albanischen Rebellen getötet.
In einem dramatischen Appell bat Außenministerin Ilinka Mitreva am Freitag UN-Generalsekretär Kofi Annan, NATO-Generalsekretär George Robertson und den außenpolitischen Repräsentanten der EU, Javier Solana, um Hilfe. Das Land stehe vor einem Bürgerkrieg, schrieb Mitreva. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Mazedonien in Flammen aufgeht."
Die anhaltende Gewalt gefährdet zunehmend die für Montag geplante Unterzeichnung des Friedensabkommens. Regierungssprecher Antonio Milososki sagte, selbst bei einer Unterzeichnung gebe es wenig Hoffnung auf Frieden. "Wir haben dann auf dem Papier Frieden und auf dem Schlachtfeld Krieg." Das Abkommen sieht eine größere Beteiligung der albanischen Bevölkerungsminderheit bei der Polizei, im Parlament sowie im Bildungswesen vor. Zudem wird den Rebellen eine Amnestie gewährt.
Kostunica kritisiert westliche Regierungen
Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica warf den westlichen Regierungen vor, in Mazedonien versagt zu haben. Wie die Tageszeitung "Politika" am Samstag berichtete, äußerte Kostunica tiefe Beunruhigung über die Vorgänge in dem Nachbarland. Der Westen habe sich von den albanischen Rebellen zum Narren halten lassen.
Den Rebellen in Mazedonien gehe es weder um Menschenrechte, noch um eine bessere Integration der albanischen Bevölkerung, sondern nur um Landgewinne, erklärte Kostunica. "Es ist reiner, unverfälschter Terrorismus, der seine wahre Natur nicht mehr länger verhüllt." Der Westen sei sehr eifrig darin gewesen, Verantwortung auf dem Balkan zu übernehmen; dies sei aber nicht immer erfolgreich gewesen und habe oft destabilisierend gewirkt, kritisierte er.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf den Rebellen am Samstag vor, fünf mazedonische Geiseln gefoltert, sexuell misshandelt und verstümmelt zu haben. Die Männer waren vor wenigen Tagen freigelassen worden. Rund ein Dutzend befinden sich noch in der Gewalt der Rebellen. Die Human-Rights-Watch-Leiterin für Europa und Zentralasien, Elizabeth Andersen, sagte, ihre Organisation sei tief besorgt um die Sicherheit dieser Geiseln. Die Zahl der Misshandlungen durch die Rebellen steige rapide.
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