"Stern" und "Die Zeit" berichten über Konten: Medien: Möllemann besaß Millionen im Ausland
zuletzt aktualisiert: 11.06.2003 - 14:25Hamburg (rpo). Neben dem Zerwürfnis von Möllemanns Familie mit FDP-Spitzenpolitikern drehen sich die Schlagzeilen nach wie vor auch um das Finanzgebaren des ums Leben gekommenen Jürgen Möllemann. Zeitungen und Magazine berichten über Konten und Millionenvermögen in Liechtenstein und Luxemburg.
Die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete am Mittwoch vorab von einem Konto mit 8,95 Millionen Euro in Luxemburg, das Magazin "Stern" von "erheblichen Geldbeträgen" in Liechtenstein. Unterdessen will Möllemanns Witwe offenbar, dass FDP-Chef Guido Westerwelle der Beerdigung am Freitag fernbleibt.
Der Düsseldorfer Staatsanwalt Johannes Mocken bestätigte zwar, dass zwischen den Möllemann-Konten in Luxemburg, Liechtenstein und seiner Firma WebTec in Düsseldorf Geldtransfers "hin und her" gegangen seien. Bei den anderen Informationen handele es sich aber um Gerüchte. "Das ganze Spekulieren um Waffengeschäfte und die Herkunft der Gelder, da bewegen wir uns auf dem Level des Gerüchtes. Wir haben darüber keine Erkenntnisse", sagte Mocken.
Die SPD erwägt nach den Berichten über das Vermögen Möllemanns einen Untersuchungsausschuss im Bundestag zu den illegalen Parteispenden der nordrhein-westfälischen FDP. Der SPD-Abgeordnete Volker Neumann sagte der "Zeit", er sei "fast der Auffassung, dass eine Neuauflage des U-Ausschusses gerechtfertigt ist".
Möllemann soll im engsten Familienkreis in Münster beigesetzt werden. Möllemanns Witwe, Carola Möllemann-Appelhoff, will laut "Passauer Neuen Presse" nicht, dass Westerwelle an der Beerdigung teilnimmt. Der Sprecher der Familie, Uwe Tönningsen, sagte der Zeitung, "es wäre eine kluge Entscheidung von Herrn Westerwelle, nicht zu erscheinen". Die Witwe habe "nicht unbedingt den Wunsch, diesen Herren, denen sie gram ist, zu begegnen."
Leben nicht im Nachhinein verklären
Der am vergangenen Donnerstag ums Leben gekommene Politiker war laut "Stern" zeichnungsberechtigt für Konten der Liechtensteiner Briefkastenfirma Curl AG. Diese sei von seinem langjährigen Geschäftspartner Rolf Wegener gegründet worden, der über eine andere Gesellschaft beim umstrittenen Export von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi-Arabien im Jahr 1991 fast neun Millionen Mark (rund 4,6 Millionen Euro) Provision kassiert haben soll.
Möllemann soll dem Bericht zufolge den Panzerexport als Wirtschaftsminister gefördert haben. Von der Curl AG seien 3,9 Millionen Schweizer Franken (rund 2,53 Millionen Euro) an Möllemanns Düsseldorfer Firma WebTec geflossen. Über das Luxemburger Konto waren laut "Zeit" Aufwendungen für Möllemanns Ferienhaus auf Gran Canaria sowie Honorarzahlungen der Firma WebTec abgewickelt worden.
Unterdessen forderte der stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP Münster, Hans Varnhagen, im "Reutlinger General-Anzeiger" Konsequenzen aus dem möglichen Selbstmord Möllemanns. "Die FDP braucht eine grundlegende Moraldebatte über den Umgang mit Parteimitgliedern, die Fehler begangen haben", sagte Varnhagen. Die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Ulrike Flach, lehnte dies im Westdeutschen Rundfunk jedoch ab. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Otto sagte dem Nachrichtensender N24, der tragische Tod Möllemanns dürfe nicht dazu führen, "sein Leben im Nachhinein zu verklären".
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