Wulffs Islam-Rede: Mehrheit der Bürger lehnt Äußerungen ab
zuletzt aktualisiert: 05.10.2010 - 15:33Berlin/Saarbrücken (RPO). Bundespräsident Christian Wulff stößt mit seinen Äußerungen zum Islam in Deutschland bei zwei Dritteln der Bundesbürger auf Ablehnung. Auch Politiker und Kirchenvertreter äußerten Skepsis und Einschränkungen nach seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit.
Das Staatsoberhaupt hatte in seiner Rede in Bremen gesagt, der Islam gehöre inzwischen ebenso zu Deutschland wie das Christentum und das Judentum. Die Mehrheit der Deutschen lehnt diese Aussagen ab. Das ergab eine repräsentative "YouGov"-Erhebung im Auftrag der "Bild"-Zeitung. Danach erklärten 66 Prozent der insgesamt 1.008 Befragten, sie stimmten den Wulff-Äußerungen nicht zu. Unterstützung erhielt das Staatsoberhaupt von rund einem Viertel der Befragten. Neun Prozent hatten keine Meinung. Besonders ausgeprägt ist laut Studie die Ablehnung bei Anhängern von CDU/CSU und FDP aber auch bei Sympathisanten der Linkspartei.
Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, warnte am Dienstag in Deutschlandradio Kultur, Wulffs Worte dürften nicht als "Beruhigungspille" wirken. Toleranz gegenüber dem Islam höre dann auf, "wenn wir blind sind denen gegenüber, die die Voraussetzungen der Toleranz aufheben, weil sie selber nicht die gleichen Rechte für Menschen anderer Überzeugungen anerkennen". Ein Prüfstein sei vor allem die Religionsfreiheit von Nichtmuslimen. Huber plädierte zugleich dafür, dass muslimische Lehrerinnen kein Kopftuch tragen.
Der Chef des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der "Bild"-Zeitung, der Islam sei zwar Teil der deutschen Lebenswirklichkeit, "aber zu uns gehört die christlich-jüdische Tradition". Bei seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit hatte Wulff erklärt, der Islam gehöre inzwischen ebenso zu Deutschland wie das Christentum und das Judentum. Die CSU-Politiker Norbert Geis und Christine Haderthauer bezeichneten die Aussage als missverständlich.
Auch der Islambeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, betonte, Deutschland sei immer noch stark von der christlichen Kultur geprägt, die nicht preisgegeben werden dürfe. "Christen in ganz besonderer Weise, aber auch Juden haben in über 1.000 Jahren eine Kultur in Deutschland entwickelt, die der Islam in Deutschland nicht hat", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Jaschke zeigte Verständnis für das Drängen der Muslime auf Gleichheit. Doch seien die vier Millionen Muslime in Deutschland letztlich nur eine kleine Minderheit.
Jaschke sprach sich für den Bau von Moscheen und Minaretten aus, "aber mit Augenmaß und Umsicht". So sollten Minarette keine Konkurrenz zu Kirchen bilden, erklärte der Weihbischof. Unüberwindliche kulturelle Unterschiede zwischen Christen und Muslime gebe es nicht.
Lob erhielt Wulff dagegen vom EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider. Der Bundespräsident habe "nüchtern, sachlich und gelassen die deutsche Wirklichkeit beschrieben", erklärte Schneider in Hannover. Zudem unterstützte er Wulffs Bekräftigung, wer die Werte des Landes missachte, müsse mit entschlossener Gegenwehr rechnen.
Unterdessen warf der Saarbrücker Islamwissenschaftler Gerd-Rüdiger Puin dem Bundespräsidenten "Wunschdenken" vor. "Die ganze Debatte ist weltfremd, weil es keine kritische Haltung gegenüber dem Islam in Deutschland gibt", sagte Puin der "Saarbrücker Zeitung". Hauptgrund dafür sei, "dass keiner weiß, was überhaupt im Koran steht", erklärte Puin: "Dort gibt es kein einziges nettes Wort über die 'Ungläubigen', aber 300 Verse, die ihnen das Schlimmste auf Erden und im Himmel androhen." Vertreter muslimischer Verbände müssten aber ständig Dinge sagen, "die wir gerne von ihnen hören". Sie würden nur so lange nicht die Einhaltung des islamischen Rechtssystems der Scharia fordern, "bis Deutschland muslimisch ist".
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

