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Merkels Afrika-Mission
Der Fortschritt in Afrika ist eine Schildkröte

Merkels Afrika-Mission: Der Fortschritt in Afrika ist eine Schildkröte
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht zwischen Männern vom Stamm der Peuls Wodaabe in Niamey im Niger neben Präsident Mahamadou Issoufou. FOTO: dpa, mkx tmk
Meinung | Bamako. Das neue Wort für Entwicklungshilfe in Afrika heißt Migrationspartnerschaft. Jahrzehntelang gaben die Europäer Entwicklungsgelder und halfen, den Kontinent militärisch zu stabilisieren. Die Anstrengungen waren von der Hoffnung getragen, dass es eines Tages besser werde. Von Eva Quadbeck

Doch der Fortschritt in Afrika ist eine Schildkröte. Es gibt freilich viele gute Entwicklungsprojekte, die darüber hinaus zielen, die Menschen nur satt zu machen.  Doch das Wirtschaftswachstum, das inzwischen in vielen afrikanischen Ländern gelingt, wird von der enorm hohen Geburtenrate neutralisiert. Den Afrikanern gelingt es zu wenig, ihre vielen jungen Menschen überhaupt zur Schule zu schicken und Arbeitsplätze für sie zu schaffen. Hier muss der Hebel angesetzt werden.

Bei allen Versuchen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, führten die vielen Entwicklungsprojekte der Nordhalbkugel auch zu einer gewissen Trägheit der afrikanischen Eliten, die sich einen Teil der Hilfsgelder gerne selbst einstreichen und sonst die Helfer im Land machen lassen. Dieses System muss endlich effizienter werden.

Dass Europa nun einen anderen Ton anschlägt und für mehr Hilfsprojekte und mehr Geld auch eine Gegenleistung möchte, kann auch eine Chance sein, dass der Kontinent sein Schicksal stärker selbst in die Hand nimmt. Die Furcht Europas, von Wirtschaftsflüchtlingen überlaufen zu werden, hat die Idee der Migrationspartnerschaften aufkommen lassen.

Der Deal: Europa setzt sich energischer und nachhaltiger für den Kontinent ein, im Gegenzug übernehmen die Afrikaner selbst mehr Verantwortung, dass das Leben auf ihrem Kontinent lebenswerter wird. Eine Mammutaufgabe, die mit den Mitteln, die Europa bereitzustellen bereit ist, wohl kaum gelöst werden kann. Man muss kein Pessimist sein, um zu fürchten, dass die Bevölkerung und die Probleme auf dem schwarzen Kontinent schneller wachsen, als dass sich Erfolge bei der wirksamen Bekämpfung von Fluchtursachen einstellen.

 

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