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London
Militärs übernehmen Kontrolle im Londoner Luftraum

London. Seit Wochen sorgt eine Frage für Gesprächsstoff in den Londoner Pubs: Was passiert, wenn Terroristen in den Olympia-Wochen eines der täglich 2500 in der Hauptstadt startenden und landenden Flugzeuge in ihre Gewalt bringen? Die britische Regierung signalisierte deshalb ihre Bereitschaft, das größte Sportereignis der Welt mit allen Mitteln zu verteidigen: Premierminister David Cameron würde im Notfall den Abschuss einer gekaperten Passagiermaschine anordnen, sagte Verteidigungsminister Philip Hammond. "Wir haben das geübt. Ich selbst bin bereit, solche Entscheidungen zu treffen." Von Alexei Makartsev

Seit gestern gibt es neue Details darüber, wie die Organisatoren der Olympischen Spiele London für fünf Wochen in eine Festung verwandeln wollen: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg übergibt die zivile Flugüberwachung NATS das Kommando an die Militärs, die den abgeriegelten Luftraum im Südosten Englands kontrollieren.

Auf dem ehemaligen Militärflugfeld RAF Northolt im Westen Londons wurden vier Jets vom Typ "Typhoon" stationiert, die alle Angriffe auf die Hauptstadt aus der Luft schnell abwehren sollen. Es würde nicht länger als drei Minuten dauern, bis die Militärpiloten in Bereitschaft über ein verdächtiges Flugzeug informiert würden, das die Anweisungen von Fluglotsen missachte, sagt NATS-Chef Paul Naskins. Nach seiner Einschätzung wird die Überwachung des englischen Luftraumes so streng sein wie zuletzt nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Zwischen dem 14. Juli und 15. August sperren die Militärs den Himmel über London und den angrenzenden Grafschaften für alle Teilnehmer des Luftverkehrs. Die wenigen genehmigten Flüge müssen sich an exakt vorgeschriebene Routen halten.

Im Februar schätzte Scotland Yard das Risiko eines Terrorangriffs in London als "schwerwiegend" ein, was in Großbritannien der zweithöchsten Warnstufe entspricht. Im Vorfeld der Spiele mobilisiert der Inlandsgeheimdienst MI 5 alle seiner 3800 Mitarbeiter, um Islamisten und Rechtsextremisten zu beschatten. Nach Medienberichten wurde in London ein neuartiges intelligentes Überwachungssystem installiert, das die Behörden frühzeitig vor Gefahrenquellen warnen soll. Bei der größten Sicherheitsoperation des Königreichs in Friedenszeiten setzt die Polizei 12 500 Beamte ein, die durch 16 000 private Kräfte und 13 500 Soldaten verstärkt werden. Im Olympia-Stadtteil Greenwich wird ab Juli das größte Kriegsschiff an der Themse ankern – die 208 Meter lange "HMS Ocean".

Sorgen bereitet der britischen Regierung nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Kapazität ihres wichtigsten Großflughafens Heathrow: Schon jetzt ist dieser bis zu 99 Prozent ausgelastet. Das Organisationskomitee Locog rechnet mit mindestens 500 000 Olympia-Zuschauern aus dem Ausland sowie 90 000 Athleten, Trainern, Funktionären und Medienvertretern. Hinzu kommen 150 Staatschefs. 80 Prozent aller Olympia-Besucher sollen durch Heathrow einreisen. Um die gewaltige logistische Herausforderung dennoch zu meistern, haben die Betreiber in fünf Monaten für die Spiele ein Extra-Terminal von der Größe dreier olympischer Schwimmbecken aufgebaut.

Quelle: RP
 
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