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Generation 65+
Mit 65 Jahren ...

Er ist 73 und studiert Philosophie, sie ist 72 und hat in der Volkshochschule zwei Yoga-Kurse belegt. Karl und Sabine Mustermann gehen auch gern ins Theater und in die Oper, dafür gönnen sie sich ein Kultur-Abo in der Stadt. Sie liest leidenschaftlich gern, während er auf dem Golfplatz den Schläger schwingt. Zweimal im Jahr gehen sie wandern, einmal segeln mit Freunden. Von Birgit Marschall

So sieht es aus, das pralle Leben vieler Senioren jenseits der 65. Sie sind zwar in Rente, aber mindestens ein Lebens-Viertel liegt noch vor ihnen. Die Generation 65+ ist gesund und munter - und so aktiv wie nie zuvor.

Davon berichtet gestern in Berlin auch Roderich Egeler, der Präsident des Statistischen Bundesamtes, der seit vier Monaten selbst zu dieser geschäftigen Generation gehört. Er stützt sich auf Zahlen, die seine Statistiker aus ihrem schier endlosen Datenmeer herausgeangelt haben. Demnach sind zum Beispiel heute 42 Prozent der Gaststudenten an deutschen Universitäten mindestens 65 Jahre alt, ihre Zahl stieg in zehn Jahren um ein Fünftel. Der Rentner-Studi ist mehrheitlich männlich und hört am liebsten Geschichte. Philosophie liegt auf Platz zwei.

Auch die Volkshochschulen erfreuen sich größter Beliebtheit bei den Älteren: 667.000 Kursbelegungen von über 65-Jährigen registrierten die Statistiker, wiederum 20 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Dabei liegen die Leibesübungen oder Gesundheits-Kurse mit Abstand vorn. Doch auch für Sprachen und Kultur begeistern sich die jungen Alten.

Sagenhafte 50,5 Stunden pro Woche widmen Senioren heute der Gestaltung ihrer vielfältigen Freizeit, berichtet Egeler. Ältere hätten auch keine Angst mehr vor dem Computer. 57 Prozent von ihnen besitzen einen, 45 Prozent nutzen das Internet. Je älter die Leute, desto mehr verlassen sie sich noch auf PCs und Festnetz, doch mobile Endgeräte sind auch bei Älteren auf dem Vormarsch. Schon 85 Prozent der 70- bis 79-Jährigen haben ein Handy.

Immer mehr Ältere finden sich auch mit dem Ruhestand nicht ab und arbeiten weiter, darunter oft Selbstständige. Die Zahl der Erwerbstätigen unter den 65- bis 69-Jährigen hat sich in den letzten zehn Jahren auf 14 Prozent verdoppelt. Wie oft dies überwiegend aus finanziellen Gründen oder aus schlichter Freude an der Arbeit geschah, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Doch fest steht: Angesichts der bald rasanteren Alterung unserer Gesellschaft - die wir auf einer Doppelseite darstellen - ist die steigende Erwerbstätigkeit der Senioren volkswirtschaftlich gesehen auch dringend nötig.

Quelle: RP
 
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