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Ex-Stasi-Chef starb 92-jährig in Berliner Pflegeheim: Mit Mielke ist fast die Hälfte des alten Politbüros tot -

zuletzt aktualisiert: 26.05.2000 - 16:49

Berlin (AP). Mit dem Tod des langjährigen DDR-Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, ist die Mehrheit der SED-Altherrenriege nicht mehr am Leben. Mielke starb bereits am Montag im Alter von 92 Jahren in einem Berliner Pflegeheim. Sein Tod wurde erst am Donnerstagabend vom Landeseinwohneramt bestätigt. Der Vorsitzende der PDS-Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, sprach von einem verschenkten Leben, weil Mielke nie verstanden habe, dass nur Rechtssicherheit und nicht die Fülle konspirativ gesammelter Informationen zu einer wirklichen Staatssicherheit führten.

Aus dem alten Politbüro des in Chile verstorbenen Erich Honecker, das einen Tag vor dem Fall der Mauer 1989 neu gewählt und von 21 auf elf Vollmitglieder verkleinert wurde, starben unter anderen der SED-Außenpolitiker Hermann Axen, der SED-Wirtschaftslenker Günter Mittag sowie der wegen seiner Berechenbarkeit als "roter Preuße" bezeichnete Regierungschef Willi Stoph. Auch der gegen den Moskauer Reformkurs aufbegehrende Chefideologe Kurt Hager, Hardliner Erich Mückenberger, Volkskammerpräsident Horst Sindermann, Versorgungsexperte Werner Jarowinsky und Gewerkschaftsboss Harry Tisch leben nicht mehr.

Als Vertreter der jüngeren Generation befindet sich der letzte Staats- und Parteichef Egon Krenz nach seiner Verurteilung auf Freigang, da er eine Anstellung als Ostkontakter für eine Firma aus dem Westen Deutschlands nachweisen konnte. Krenz wurde wegen seiner Mitverantwortung für die Todesschüsse an der Mauer zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Der ebenfalls verurteilte frühere DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler befindet sich nach Verbüßung seiner Strafe auf freiem Fuß. Der unfreiwillige Öffner der Mauer, der frühere Ostberliner SED-Chef Günter Schabowski, verbüßt ebenfalls eine Haftstrafe wegen der Todesschüsse, ist aber an Wochenenden zu Hause.

Werner Eberlein schrieb ein Büchlein über seinen Vater, der Opfer Stalinistischer Repression wurde. Er ist Rentner ebenso wie Gerhard Schürer, einst Chef der Plankommission.

"Die DDR in den Abgrund gefahren

Gysi, sagte dem "Berliner Kurier" über Mielke: "Obwohl er mit Sicherheit das Gegenteil wollte, hat er einen entscheidenden Beitrag zum Scheitern des sozialistischen Versuchs auf deutschem Boden geleistet." Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Andreas Schulze aus dem Landesvorstand der Berliner Grünen sagte, Mielkes System habe zu einer verbrecherischen Überwachungs- und Drangsaliermaschinerie geführt. Die aufwühlenden Erinnerungen an die Untaten seines Apparates blieben untrennbar mit seinem Namen verbunden.

Mielke hatte bereits kurz nach seiner Rückkehr aus dem Exil in der Sowjetunion 1946 mit dem Aufbau einer politischen Polizei in der damaligen sowjetischen Besatzungszone begonnen. Den daraus hervorgegangenen berüchtigten DDR-Geheimdienst leitete er von 1957 bis zu dessen Auflösung im Jahr 1989. Ihm unterstanden 92.000 hauptamtliche Stasi-Leute und 170.000 informelle Spitzel, zudem die fast 10.000 Mann des so genannten Wachregiments "Feliks Dzierzynski".

Rechtskräftig verurteilt wurde er nach dem Ende der DDR nur, weil er 1931 im Auftrag des KPD-Apparates am Berliner Bülowplatz zwei Polizisten ermordet hatte. Er erhielt 1993 sechs Jahren Haft. Insgesamt verbrachte er nach der Wende rund fünf Jahre in Gefängnissen. Ein Verfahren wegen der Todesschüsse auf DDR-Flüchtlinge wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt.

Quelle: RPO Archiv

 
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