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Bedauern schaffe Beleidigung nicht aus der Welt: Möllemann-Rückzieher als unzureichend kritisiert

zuletzt aktualisiert: 29.05.2002 - 13:17

Frankfurt (rpo). Bedauern schaffe die Beleidigung nicht aus der Welt: Als nicht ausreichend hat ein Zentralratsmitglied die jüngste Äußerung von FDP-Vize Jürgen Möllemann gegenüber Michel Friedman kritisiert.

Das Bedauern von Möllemann schaffe die Beleidigung nicht aus der Welt, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Salomon Korn, am Mittwoch im Deutschlandfunk. Möllemann müsse die Gefährlichkeit seines Verhaltens eingestehen und sich beim Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland entschuldigen.

Jedermann dürfe Friedman als Person auch scharf kritisieren, erklärte Korn, der auch Präsidiumsmitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland ist. Der Chef der NRW-FDP habe aber Friedman nicht als Mensch, sondern als Repräsentanten einer Religion kritisiert und für den Antisemitismus in Deutschland verantwortlich gemacht. Je länger sich Möllemann mit der Entschuldigung Zeit lasse, desto schlimmer würde die Angelegenheit. Auch der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sei hier gefragt und müsse seinerseits für Klarheit sorgen.

Hamm-Brücher: "Völlig unbefriedigend"

Der großen alten Dame der FDP, Hildegard Hamm- Brücher, geht das Fehlerbekenntnis des stellvertretende Parteivorsitzenden Jürgen Möllemann im Antisemitismus-Streit nicht weit genug. Seine Aussagen vom Dienstag seien "völlig unbefriedigend", sagte Hamm-Brücher am Mittwoch im Deutschlandfunk. Möllemann müsse zurücknehmen, dass der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, mit seiner Art Antisemitismus schüre. Er müsse "Ross und Reiter nennen" und genau sagen, was er bedauere. Möllemann hatte im Streit mit dem Zentralrat am Dienstag erstmals Formulierungsfehler eingeräumt.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat die Versöhnungssignale von FDP-Vize Jürgen Möllemannn im Streit mit dem Zentralrat der Juden als Ablenkungsmanöver gewertet. Es handele sich nicht um eine Distanzierung von seinen Äußerungen, sondern "den Versuch, das unter den Tisch zu kehren", sagte Roth am Mittwoch in Berlin.

Westerwelle: Singer nicht gefragt

Westerwelle seinerseits hat auf seiner Nahost-Reise Berichten widersprochen, wonach seine Partei den Vorsitzenden des jüdischen Weltkongress, Israel Singer, um Vermittlung im Streit mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland gebeten haben soll. Fragen zur jüngsten Äußerung seines Partei-Vize Jürgen Möllemann in der Antisemitismus-Debatte blockte Westerwelle am Mittwoch in Kairo ab. "Ich werde zu solchen Fragen auf einer Auslandsreise nicht Stellung nehmen", sagte er.

FDP-Politiker, die Westerwelle auf seiner Nahost-Reise begleiten, zeigten sich zufrieden mit dem "Zurückrudern" Möllemanns. Nun sei es am Zentralrat der Juden, auf dies Einlenken zu reagieren, hieß es.

Westerwelle hatte in Kairo am Mittwochmorgen Präsident Husni Mubarak getroffen. Um auch den ägyptischen Außenminister Ahmed Maher sprechen zu können, verlängerte er seine Reise um einen Tag und wird daher erst am Donnerstag wieder in Deutschland sein. Für Freitag berief er eine vorgezogenen Sitzung des FDP-Bundesvorstandes ein, bei der es dem Vernehmen nach um die Ergebnisse seiner Reise und ihre Auswirkungen auf die innenpolitische Debatte gehen soll

Quelle: RPO Archiv

 
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