Machtkampf in der FDP wird immer erbitterter: Möllemann schießt gegen Lambsdorff zurück
zuletzt aktualisiert: 26.09.2002 - 16:17Düsseldorf (rpo). Die Töne im Machkampf der FDP werden immer schriller. Jürgen W. Möllemann hat sich jetzt gegen Angriffe von Otto Graf Lambsdorff zur Wehr gesetzt. Lambsdorff hatte Möllemann als "tickende Zeitbombe" bezeichnet und Zweifel an dessen Geisteszustand angemeldet.
"Man fragt sich manchmal ... ist der normal?", sagte Lambsdorff in einem Interview. In einem in Düsseldorf veröffentlichten Brief an Lambsdorff schoss Möllemann zurück. Er frage sich, ob solche Äußerungen zu den Aufgaben eines Ehrenvorsitzenden gehörten. Lambsdorff rufe die Delegierten des Sonderparteitags zu seiner Abwahl als Landesvorsitzender auf und setze seine Unterstützer unter Druck, warf Möllemann dem FDP-Ehrenvorsitzenden vor. "Ich ahne, wie freie Demokraten darauf reagieren", endet der "mit freundlichen Grüßen" unterzeichnete Brief Möllemanns. Möllemann will auf dem Sonderparteitag am 7. Oktober in Wesel die Vertrauensfrage stellen.
Gegen ihn will sein Stellvertreter Andreas Pinkwart kandidieren. Pinkwart mahnte eine sachlichere Auseinandersetzung an. Er werde sich an Debatten um den Geisteszustand Möllemanns nicht beteiligen, sagte Pinkwart dem Fernsehsender "Phoenix". Solche Debatten seien dem Publikum nicht zuzumuten, meinte er. Im Saarländischen Rundfunk sagte Pinkwart, seine Kandidatur diene "nicht der Spaltung, sondern der Zusammenführung der FDP". Die FDP müsse "in der Mitte des Parteispektrums positioniert" bleiben. Nach Möllemanns Rücktritt als Partei-Vize will FDP-Chef Guido Westerwelle diesen auch im Amt des Landesvorsitzenden von Nordrhein- Westfalen ablösen. Möllemann hatte kurz vor der Bundestagswahl mit einer Flugblattaktion erneut Attacken gegen die israelische Regierung und den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, gerichtet.
Westerwelle sieht darin den Hauptgrund für das schwache Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl. Möllemann hatte am Dienstag ein Versöhnungsangebot an Westerwelle gerichtet. In der Berliner FDP-Zentrale wurde ein Bericht der "Bild"- Zeitung bestätigt, wonach Westerwelle nicht bereit ist, darauf einzugehen: "Er glaubt Möllemann kein Wort mehr." Unterdessen wurden Befürchtungen laut, der Machtkampf könne die Liberalen spalten. Der FDP-Bezirkschef Münsterland, Heinz-Wilhelm Steinmeier, zog in der "Bild"-Zeitung in Erwägung, dass Möllemann eine eigene Partei gründen könnte, falls er als Landeschef in Nordrhein-Westfalen gestürzt wird. Dies wäre "für die FDP katastrophal".
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, äußerte sich nach dem Rückzug Möllemanns als Vize- Bundesvorsitzender versöhnlich über die FDP. "Diese Partei hat das nicht verdient, dass sie von einem in eine rechte Ecke manövriert wird, wo sie nicht hingehört", sagte Spiegel im ZDF. Es liege aber an der FDP-Führung zu verhindern, dass noch einmal "antisemitische Slogans in Zusammenhang mit dieser großen liberalen demokratischen Partei gebracht" werden.
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