Theaterprovokateur rief "Tötet Möllemann": Möllemann wirft Schlingensief Aufruf zur Tötung vor
zuletzt aktualisiert: 25.06.2002 - 13:59Düsseldorf (rpo). Mit Tabu-Brüchen will Jürgen Möllemann der FDP den Weg zur 18-Prozent-Partei ebnen. Mit derselben Methode trachten andere danach, ihn politisch zu Fall zu bringen.
Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann wirft dem Theaterprovokateur Christoph Schlingensief Aufruf zu einer Straftat vor. Mit seinem Aufruf "Tötet Möllemann" habe Schlingensief die verfassungsrechtliche Grenze der Kunstfreiheit weit überschritten, sagte Möllemann am Dienstag in Düsseldorf. Die Staatsanwaltschaft Duisburg müsse wegen eines Offizialdelikts gegen Schlingensief ermitteln.
Schlingensief habe am Sonntag in Duisburg bei einer Aktion im Rahmen des Festivals "Theater der Welt" auf seinem Foto herumgetrampelt und in einem Tobsuchtsanfall "Tötet Möllemann" geschrien, sagte der FDP-Politiker. Als bemerkenswert bezeichnete es Möllemann, dass der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir, in dem Theaterstück als Assistent Schlingensiefs mitgespielt habe. Özdemir habe die Entgleisungen "völlig ohne jedes demokratische und menschliche Gewissen" hingenommen.
Möllemann zog einen Vergleich zum Fall des Islamisten Metin Kaplan. Der "Kalif von Köln" war wegen Aufrufs zum Mord zu vier Jahren Haft verurteilt worden. "Unser demokratisches System duldet solche Aufforderungen nicht", sagte er. Auf die Frage, ob er sich bedroht fühle, antwortete Möllemann: "Ich fühle mich in meinen Rechten verletzt. Was daraus wird, wird sich zeigen." Möllemann erinnerte daran, dass Schlingensief 1997 bei der Documenta in Kassel nach dem Ausruf "Tötet Kohl" auf offener Bühne von der Polizei festgenommen worden sei.
Der FDP-Vize warf der Landesregierung vor, die Aktion Schlingensiefs mitfinanziert zu haben. Das Kulturministerium habe das Festival "Theater der Welt" mit rund 750.000 Euro gefördert. Kulturminister Michael Vesper (Grüne) sagte, die Förderentscheidung sei gefallen, als von einer Beteiligung Schlingensiefs noch gar nicht die Rede gewesen sei. Schlingensief habe sich erst kurz vor Toresschluss aufgedrängt und sei von der Festivalleistung engagiert worden. Er selbst habe sich frühzeitig von der Teilnahme Schlingensiefs wegen einer geplanten Bücherverbrennung distanziert, sagte Vesper.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

