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London
Muslim will London regieren

London. Die Bewerber ums Bürgermeisteramt könnten nicht gegensätzlicher sein. Von Jochen Wittmann

Der Kampf um London hat begonnen. Gestern konnten die Parteien offiziell ihre Kandidaten für das Bürgermeisteramt benennen. Rund ein Dutzend Kandidaten bewerben sich, aber nur zwei haben Erfolgsaussichten: Sadiq Khan und Zac Goldsmith. Der Sohn des Milliardärs Sir James Goldsmith ist Konservativer, Querdenker, Umweltaktivist und ein strammer Euroskeptiker.

Der 41-Jährige soll Nachfolger von Boris Johnson werden, der nach zwei Amtszeiten am 5. Mai aufhört. Goldsmith tritt gegen den Labour-Politiker Sadiq Khan an, der 2009 der erste muslimische Kabinettsminister wurde. Die Bewerber könnten gegensätzlicher nicht sein: links gegen rechts, benachteiligt gegen privilegiert, Muslim gegen Millionär. Der jungenhaft wirkende Zac Goldsmith ist einerseits ganz und gar ein Vertreter der "Upper Class": Mitglied der steinreichen Goldsmith-Familie, eingeheiratet in eine weitere steinreiche Familie - in zweiter Ehe mit Alice Rothschild. Sein persönliches Vermögen wird auf 75 Millionen Pfund geschätzt. Zugleich ist Goldsmith ein Rebell. Aus dem Nobelinternat Eton flog er, weil er Haschisch geraucht hatte. Als Abgeordneter der Konservativen fiel er auf, weil er regelmäßig gegen die Parteilinie votierte. Er tritt für direkte Demokratie, radikalen Umweltschutz und Distanz zur Europäischen Union ein. Auf der Webseite der sexiesten Abgeordneten nimmt er Listenplatz 24 ein.

Verglichen damit ist Sadiq Khan weit weniger glamourös. Der 45-Jährige ist der Sohn eines aus Pakistan eingewanderten Busfahrers und einer Näherin. Aufgewachsen in einer Sozialwohnung in Südlondon, hat sich Khan durch ein Jurastudium nach oben gearbeitet. Nachdem der Selfmademan zuerst als Menschenrechtsaktivist gearbeitet hatte, wurde er 2005 Unterhausabgeordneter und diente in der letzten Labour-Regierung als Transport-Minister. Auf der Webseite der sexiesten Abgeordneten bringt er es nur auf Platz 347. Dennoch ist London traditionell eine Labour-Stadt, und auch die Buchmacher handeln Khan als nächsten Bürgermeister.

Aber der Konservative Boris Johnson hat schon zwei Mal demonstriert, dass auch in einer linken Metropole ein Tory gewinnen kann. Mit Goldsmith setzten die Konservativen auf eine ähnliche Karte. Den Londonern könnte diese Mischung von Glamour und politischer Unabhängigkeit gefallen.

Quelle: RP
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