Schwerste Angriffe Israels auf Libanon: Nach Bombardements kein Strom mehr in Beirut und Sidon
zuletzt aktualisiert: 08.02.2000Beirut (AP). In dem seit 15 Jahren andauernden Kleinkrieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz zeichnet sich eine gefährliche Eskalation ab. Bei Luftangriffen israelischer Kampfflugzeuge auf die libanesische Stadt Baalbek wurden am Dienstag 15 Bewohner verletzt. Bei einem Vergeltungsschlag der Hisbollah auf einen Grenzposten wurde ein israelischer Soldat getötet - der sechste innerhalb von zwei Wochen. Aus Angst vor Raketenangriffen der Hisbollah suchten mehrere zehntausend Bewohner der nordisraelischen Grenzregion Zuflucht in Schutzräumen oder zogen nach Süden.
Der israelische Kabinettsminister Haim Ramon drohte, Israel werde scharf auf neue Angriffe reagieren und dabei auch zivile Opfer in Kauf nehmen. Trotz der Zuspitzung der Lage will die Regierung in Jerusalem aber an den bis Juli angekündigte Truppenabzug aus der seit 1985 besetzten Zone im Süden Libanons festhalten.
Neben Baalbek, das als Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz gilt, wurden am Dienstag auch drei Elektrizitätswerke in Dschamhur nahe der Hauptstadt Beirut angegriffen und erheblich beschädigt. In weiten Teilen des Landes brach die Stromversorgung zusammen. Der libanesische Energieminister Suleiman Trabulsi sagte, die Schäden seien wesentlich höher als bei den Angriffen im Juni vergangenen Jahres, die damals auf 25 Millionen Dollar (50 Millionen Mark) beziffert wurden.
Als einen Schlag gegen den ohnehin lahmenden Friedensprozess im Nahen Osten verurteilten arabische Organisationen und syrische Medien die Angriffe. Die Islamische Konferenz erklärte in Damaskus, "die Aggression zeigt deutlich den Unwillen Israels zum Frieden". Die Bombardements seien auch ein Zeichen dafür, dass Israel den Friedensprozess zum Scheitern bringen wolle. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Esmat Abdel-Megid, forderte die USA auf, Druck auf Israel auszuüben.
Auch Frankreich verurteilte die Angriffe. Die Sprecherin des Außenministeriums, Anne Gazeau-Secret, sprach von einem Verstoß gegen die Vereinbarung im April 1996, deren Ziel der Schutz der Zivilbevölkerung gewesen sei. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak richtete den gleichen Vorwurf an die Hisbollah.
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