Nach jahrelangem Tauziehen ein Urteil
zuletzt aktualisiert: 31.01.2001 - 13:29Frankfurt/Main (AP). Zwölf Jahre nach dem Flugzeugabsturz von Lockerbie mit 270 Toten hat ein Gericht im niederländischen Camp Zeist am Mittwoch einen Angeklagten wegen Mordes schuldig gesprochen und einen zweiten freigesprochen. Im Folgenden sendet AP eine Chronik der Ereignisse:
5. Dezember 1988 - Die US-Botschaft in Finnland erhält eine telefonische Bombendrohung für einen Pan-Am-Flug von Frankfurt am Main in die USA.
21. Dezember 1988 - Nach einer Bombenexplosion an Bord stürzt eine Boeing 747 der amerikanischen Fluggesellschaft Pan Am über der schottischen Ortschaft Lockerbie ab. Alle 259 Insassen und elf Einwohner des Ortes werden getötet.
14. November 1991 - Amerikanische und schottische Strafverfolgungsbehörden erlassen Haftbefehle gegen die mutmaßlichen libyschen Geheimdienstoffiziere, Abdel Basset Ali el Megrahi und Lamen Chalifa Fhimah.
27. November 1991 - In einer gemeinsamen Erklärung verlangen die USA und Großbritannien von Libyen die Auslieferung der Verdächtigen, die Herausgabe allen Beweismaterials, die Zahlung von Schadensersatz und die Verpflichtung zur Distanzierung von Gewaltakten.
28. November 1991 - Der libysche Staatschef Gaddafi weigert sich, dem Auslieferungsbegehren der USA und Großbritanniens stattzugeben. Er stellt aber eventuelle Entschädigungszahlungen für die Opfer in Aussicht.
21. Januar 1992 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fordert die libysche Regierung einstimmig zur Auslieferung der Beschuldigten auf.
18. Februar 1992 - Ein libysches Gericht lehnt die Auslieferung ab. Sowohl Fhimah als auch Megrahi erklären ihre Unschuld.
15. April 1992 - Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Luftverkehrs- und Waffenembargo gegen Libyen.
18. März 1993 - Gaddafi erklärt sich bereit, die Verdächtigen an ein neutrales Land auszuliefern. Der Vorschlag wird von den USA und Großbritannien abgelehnt.
11. November 1993 - Der UN-Sicherheitsrat lässt libysche Bankguthaben im Ausland einfrieren und verbietet den Erwerb von Ausrüstungsgegenständen für die Erdölindustrie.
22. März 1994 - Libyen bietet an, die Verdächtigen für einen Prozess nach schottischem Recht vor ein internationales Gericht zu überstellen.
15. April 1994 - Die USA lehnen diesen Vorschlag ab.
23. März 1995 - Die Amerikaner bieten vier Millionen Dollar Belohnung für die Ergreifung der Verdächtigen.
27. Februar 1998 - Der Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärt sich zur zuständigen Instanz im Prozess gegen die beiden Libyer. Ein über neun Jahre dauernder Streit zwischen USA, Großbritannien und Libyen wird damit beendet.
24. August 1998 - Die USA und Großbritannien akzeptieren ein Gerichtsverfahren in den Niederlanden. Der Prozess soll nach schottischem Recht geführt werden.
18. September 1998 - Die USA und Großbritannien einigen sich auf Camp Zeist als Ort für den geplanten Prozess gegen die mutmaßlichen Lockerbie-Attentäter.
13. Februar 1999 - Libyen stimmt zu, dass die beiden Libyer nach schottischem Recht vor Gericht gestellt werden.
5. April 1999 - Beide mutmaßlichen Attentäter werden in Begleitung des UN-Bevollmächtigten Hans Corell in die Niederlande gebracht. Die UN-Sanktionen gegen Libyen, mit denen seit sieben Jahren die Auslieferung erzwungen werden sollte, werden daraufhin ausgesetzt.
14. April 1999 - Die ausgelieferten Libyer werden offiziell dem Gericht überstellt.
7. Juni 1999 - Die Rechtsanwälte der beschuldigten Libyer erreichen einen sechsmonatigen Aufschub zur Vorbereitung ihrer Verteidigung.
13. September 1999 - Die EU hebt die meisten Sanktionen gegen Libyen auf, hält aber am Waffenembargo fest.
8. Dezember 1999 - Der Prozess wird auf den 3. Mai 2000 verschoben, um der Verteidigung mehr Vorbereitungszeit zu geben.
27. April 2000 - Das Gericht lehnt einen Antrag der Anklage auf einen mehrwöchigen Aufschub ab. Diese hatte eine Verschiebung der Prozesseröffnung bis zum 28. Juni gefordert, um eine neue Zeugenliste der Verteidigung prüfen zu können.
3. Mai 2000 - Zum Auftakt des Lockerbie-Prozesses vor einem Sondergericht im niederländischen Camp Zeist weisen die beiden angeklagten Libyer, Abdel Basset Ali el Megrahi und Lamen Chalifa Fhimah, die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück.
11. Mai 2000 - Zur Vorbereitung einer neuen Phase in der Beweiserhebung wird der Prozess bis zum 23. Mai unterbrochen.
28. August 2000 - Der amerikanische Geheimdienst CIA gewährt im Lockerbie-Prozess einem ausländischen Gericht erstmals Zugang zu geheimen Informationen. Die Anwälte der Angeklagten erhalten überarbeitete Auszüge aus Telegrammen des libyschen Doppelagenten Abdul Madschid Giaka.
26. September 2000 - Ein früherer libysch-amerikanischer Doppelagent identifiziert die beiden Angeklagten als libysche Geheimdienstler. Der Doppelagent kann aber keine direkte Verbindung zum Anschlag von Lockerbie herstellen.
8. Januar 2001 - Die Verteidigung versucht trotz einiger Vertagungen seitens des Gerichts weiterhin nachzuweisen, dass eine oder zwei in Syrien ansässige palästinensische Terrorgruppen für den Bombenanschlag auf den Pan-Am-Jumbo verantwortlich waren und nicht die beiden Angeklagten.
9. Januar 2001 - Im Schlussplädoyer fordert die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung wegen Mordes.
11. Januar 2001 - Die Verteidiger werfen in ihrem Schlussplädoyer der Anklage vor, wichtige Beweise zur Entlastung ihrer beiden libyschen Mandaten ignoriert zu haben.
18. Januar 2001 - Nach mehr als acht Monaten Verhandlung ziehen sich die Richter zur Beratung zurück.
31. Januar 2001 - Das Gericht spricht Megrahi wegen Mordes schuldig, Fhimah wird vom Vorwurf des Mordes freigesprochen.
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