"Zerbrochene Scheiben sind Spiegelbild der Gesellschaft": Nachama besorgt nach erneutem Anschlag auf Synagoge
zuletzt aktualisiert: 06.10.2000 - 13:24Berlin (AP). Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin, Andreas Nachama (Foto), hat sich besorgt über den rechtsextremistischen Anschlag auf eine Synagoge im Bezirk Kreuzberg geäußert. Wenige Stunden nach dem nächtlichen Angriff besuchte Nachama am Freitag den Tatort. Er sagte, die deutsche stehe Gesellschaft nun vor einer "ähnlich schwierigen Situation" wie Anfang der 70-er Jahre mit dem Terror der Roten-Armee-Fraktion. Die bei den Steinwürfen zerbrochenen Fensterscheiben der Synagoge seien ein "Spiegelbild der Gesellschaft".
Der Sachschaden halte sich zwar in Grenzen, aber der eigentliche Schaden sei "ideeller Natur", wie Nachama sagte. Er widersprach Kritik an der Polizei, wonach die Bewachung der jüdischen Einrichtungen in Berlin nicht ausreiche. Vielmehr habe die Polizei den Steinwurf schnell entdeckt. "Es gibt aber keine 100-prozentige Sicherheit", sagte Nachama. Die Polizei könne nicht "kitten, was ein Sprung in der Gesellschaft" sei. Es sei Aufgabe der deutschen "Mehrheitsgesellschaft", dass Minoritäten hier sicher leben könnten. Nachama erinnerte an einen Ausspruch des ehemaligen US-Berlinbeauftragten Lucius D. Clay, die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft werde daran gemessen, wie sie mit ihrer jüdischen Gemeinde umgehe.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

