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El Kaida wird verdächtigt: Nacht des Terrors in Casablanca

zuletzt aktualisiert: 17.05.2003 - 17:15

Casablanca/Madrid (rpo). Eine Reihe von Selbstmord- und Bombenanschlägen hat in der Nacht zum Samstag die marokkanische Wirtschaftsmetropole Casablanca erschüttert. Dabei sind mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen.

Rund 100 Menschen wurden nach Angaben der amtlichen Nachrichtagentur MAP verletzt. Die fünf Sprengsätze, die fast gleichzeitig detonierten, beschädigten ein jüdisches Gemeindezentrum, das belgische Konsulat, ein Hotel und ein spanisches Restaurant. Der marokkanische Innenminister Mustapha Sahel machte Selbstmordattentäter für die Tat verantwortlich und sprach "von der wohlbekannten Handschrift internationaler Terroristen".

Nach Einschätzung von US-Sicherheitskreisen könnte das Terrornetzwerk El Kaida hinter den Anschlägen stehen. Es gebe Mitglieder des Netzwerkes in Marokko. Der Leiter des medizinischen Dienstes im Azerroes-Krankenhauses sagte, zwei Spanier, zwei Italiener und zwei Franzosen seien getötet worden. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, Deutsche seien offenbar nicht unter den Toten.

Festnahme von drei verdächtigen Marokkanern

Alle Anschläge wurden im Zentrum Casablancas gegen 21.00 Uhr verübt. Die Agentur MAP berichtete, drei verdächtige Marokkaner seien festgenommen worden. Unter den Toten befänden sich zehn der Attentäter. Das US-Außenministerium teilte mit, es sei keine US-Einrichtung angegriffen worden.

Im Stadtzentrum Casablancas herrschte nach den Anschlägen Chaos und Entsetzen. Polizei und Rettungskräfte eilten zu den Anschlagsorten, an denen ausgebrannte Autowracks standen. Gäste eines Hotels rannten in Panik aus dem Aufzug. Leichenteile und Trümmer lagen herum. Bars und Restaurants schlossen umgehend.

Bundesregierung verurteilte die Bombenanschläge

Der belgische Außenminister Louis Michel schickte der marokkanischen Regierung eine Kondolenzbotschaft. Ein Sprecher des Außenministeriums teilte mit, das Konsulat sei schwer beschädigt worden. Zwei Polizisten vor dem Gebäude seien getötet und ein Wachmann schwer verletzt worden. Der Anschlag habe aber offenbar der nahe gelegenen Synagoge gegolten.

Die Bundesregierung in Berlin verurteilte die Bombenanschläge. Außenminister Joschka Fischer drückte den Opfern und ihren Angehörigen das Mitgefühl der Bundesregierung aus. Die EU verurteilte die Anschläge als "feigen und barbarischen Akt". Die Verantwortlichen müssten gefunden und exemplarisch bestraft werden, hieß es in einer von der griechischen Ratspräsidentschaft in Athen veröffentlichten Erklärung.

Warnungen vor Anschlägen

Wenige Stunden vor den Anschlägen warnten Terrorismusexperten der US-Regierung vor abgestimmten Anschlägen von Osama bin Ladens El Terrornetzwerk auf wenig geschützte Ziele in Afrika und Asien. Sie verwiesen auf die Anschläge in Riad zu Wochenbeginn und auf Terrordrohungen.

Erst vier Tage zuvor waren bei Selbstmordanschlägen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad 34 Personen getötet worden; die Attentäter hatten sich in vorwiegend von Ausländern bewohnte Stadtteile begeben. Die Bundesregierung riet Touristen in dem nordafrikanischen Land zu erhöhter Aufmerksamkeit. Dies gelte vor allem an Sehenswürdigkeiten und religiösen Kultstätten, erklärte das Auswärtige Amt am Samstag in Berlin.

Marokko ist fester Verbündeter der USA

Marokko ist ein fester Verbündeter der USA. König Mohammed VI. hatte aber davor gewarnt, dass der Irak-Krieg den islamischen Fundamentalismus im Land schüren könnte. Im vergangenen Jahr wurden in Casablanca drei saudiarabische Staatsbürger festgenommen, weil sie einen El-Kaida-Anschlag auf amerikanische und britische Kriegsschiffe in der Straße von Gibraltar organisiert hatten. Sie wurden zu zehnjährigen Haftstrafen verurteilt.


 
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