Mediatoren empfehlen Ausbau des Frankfurter Flughafens: Nachtflüge sollen verboten werden
zuletzt aktualisiert: 31.01.2000Frankfurt/Main (AP). Mit einer Empfehlung zum Ausbau des Frankfurter Flughafens bei gleichzeitiger Verhängung eines Nachtflugverbots und weiteren Lärmschutzmaßnahmen ist das bundesweit einmalige Mediationsverfahren in Hessen zu Ende gegangen. Die Mediatoren Klaus Hänsch, Frank Niethammer und Kurt Oeser stellten am Montag in Frankfurt am Main drei Varianten für eine Erweiterung vor, ohne sich jedoch auf eine festzulegen. Umweltverbände und Bürgerinitiativen, die das Mediationsverfahren boykottiert hatten, sprachen von "Etikettenschwindel" und kündigten Widerstand gegen die Erweiterung des größten deutschen Flughafens an.
Der ehemalige Umweltpfarrer der evangelischen Kirche, Oeser, sagte, die Mediationsgruppe halte ein Flugverbot von 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr für unabdingbar. Zudem müsse ein verbindlicher "Anti-Lärm-Pakt" vereinbart werden, da die Zahl der betroffenen Menschen im Rhein-Main-Gebiet beim Bau einer Nord- oder Süpdbahn um rund 350.000 steige. Dazu gehörten Gebührenanreize für leisere Flugzeuge und besserer Schallschutz an Gebäuden. Finanziert werden soll das nach Meinung der Mediatoren unter anderem durch eine Erhöhung der Landegebühren.
Der SPD-Europapolitiker Hänsch betonte, die Empfehlungen der Mediatoren seien ein Gesamtpaket, das nicht aufgelöst werden könne. "Vielmehr ist jede der Komponenten eine Bedingung für die vier anderen." Die Mediatoren legten sechs mögliche Ausbauvarianten vor. Hänsch erklärte, die insgesamt 24-köpfige Gruppe habe keine Empfehlung geben wollen, aber das Vorgehen der drei Mediatoren gebilligt. Neben zwei Bahnen im Norden des Flughafengeländes wurde vor allem eine Südbahn als "beachtenswert" bezeichnet, "weil sie mehr als alle anderen Varianten Optionen für eine langfristige und Entwicklung des Flughafens offenhält". Beim Bau einer Südbahn müssten die Startbahn West stillgelegt und das Gelände wieder aufgeforstet werden.
Die 42 Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau, die hessischen Landesverbände von BUND und NABU sowie der IG Bauen-Agrar-Umwelt erklärten, das Mediationsverfahren habe "die Hoffnung auf den Verständigungwillen der Ausbau-Befürworter mit den Menschen der Region zerstört". Sie forderten die Kommunen zu einer solidarischen Abwehr dieser Bedrohung auf.
Mehr dazu: Das Mediationsverfahren Der Flughafen
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