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Drei Tote bei Raketenangriff auf syrische Radaranlage: Nahost-Konflikt nach israelischem Angriff verschärft

zuletzt aktualisiert: 16.04.2001 - 20:32

Beirut/Jerusalem/Berlin (rpo). Bei einem Angriff israelischer Kampfflugzeuge auf eine syrische Radarstation im Libanon sind in der Nacht zum Montag drei syrische Soldaten getötet worden. Der Überraschungsangriff hat den Nahostkonflikt weiter verschärft. International wurde vor einer weiteren Eskalation der Gewalt in der Region gewarnt. In Berlin äußerte sich Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) «außerordentlich besorgt» und forderte ein Ende des Blutvergießens.

Syrien verurteilte den Raketenangriff auf den Militärposten im ostlibanesischen Bekaa-Tal in einer offiziellen Erklärung als «gefährliche Eskalation, die die Region destabilisieren kann». Syrien bewahre sich das Recht auf Selbstverteidigung. Auch der libanesische Präsident Emile Lahoud warnte vor einer größeren Konfrontation.

Die USA haben die in Libanon agierende schiitische Hisbollah-Miliz für die wiederaufgeflammte Gewalt im Nahen Osten verantwortlich gemacht. In den letzten Tage habe es eine gefährliche Eskalation entlang der Rückzuglinie gegeben, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, unter Bezug auf den Abzug der Israelis aus Südlibanon im vergangenen Jahr. Die Hisbollah habe die Gewalt benutzt, um eine ohnehin gespannte Situation eskalieren zu lassen.

Nach den Worten eines UN-Sprechers hat Israel mit seinem Luftangriff internationales Recht verletzt. Der israelische Überraschungsangriff sei eine "ernste Verletzung der blauen Linie der UN", erklärte am Montag Steffan De Mistura als UN-Repräsentant in Südlibanon. Die so genannte "blaue Linie" trennt Libanon und Israel. "Was sich während der Nacht ereignet hat, ist ernst", sagte De Mistura nach einer Unterredung mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri. Die pro-iranische Hisbollah, der der israelische Luftangriff gegolten hatte, erklärte am Montag, sie wolle sich rächen. Israel sei für "diese dumme, aggressive Aktion voll verantwortlich".

Vier Kampfflugzeuge hatten während des rund 20-minütigen Angriffs mehrere Raketen auf die Radarstation rund 35 Kilometer östlich von Beirut, abgefeuert. Dabei wurden laut libanesischen Angaben drei syrische Soldaten getötet und sechs verletzt. Die Syrer selbst sprachen von einem getöteten Soldaten und vier Verletzten. Die Station wurde direkt getroffen und zerstört. Es war die erste israelische Attacke auf militärische Einrichtungen der Syrer in Libanon seit mehreren Jahren.

Nach Angaben von Augenzeugen beschossen die syrischen Soldaten die angreifenden Jets mit Flugabwehrkanonen. Das so genannte Sicherheitskabinett, der engere Ministerkreis um Regierungschef Ariel Scharon, hatte den Angriff am späten Sonntagabend mit einer großen Mehrheit von elf Ministern gebilligt.

Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser sagte am Montag, es handele sich um Vergeltung für einen Angriff der Hisbollah auf einen israelischen Panzer im Grenzgebiet, bei dem am Samstag ein israelischer Soldat getötet worden war. Man wolle Syrien klarmachen, dass jeder Angriff auf israelisches Gebiet seinen Preis habe. «Die Spielregeln haben sich geändert», sagte der Minister. Auch Raanan Gissin, ein ranghoher Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, sprach von einer «neuen Preisliste» für Angriffe auf israelisches Gebiet. Auch am Montag überflogen israelische Kampfjets mehrfach libanesisches Territorium. Die syrischen Truppen wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Israel macht Syrien, das rund 30 000 Soldaten in Libanon stationiert hält, für Übergriffe der Hisbollah-Milizen auf Israel mitverantwortlich. Seit dem Abzug der israelischen Truppen aus Süd- Libanon im vergangenen Mai sind bei Angriffen an der Nord-Grenze drei Soldaten ums Leben gekommen. Im vergangenen Oktober hatte die Hisbollah zudem drei israelische Soldaten entführt, die seitdem in Libanon festgehalten werden. Hisbollah setzt den Kampf gegen Israel trotz des international als abgeschlossen anerkannten Truppenabzugs mit der Begründung fort, Israel müsse auch noch die 1967 besetzten Schebaa-Farmen im Dreiländereck Syrien-Israel-Libanon räumen. Israel besteht jedoch darauf, es handele sich um ehemals syrisches Gebiet, dessen künftiger Status im Rahmen einer Friedensvereinbarung mit Syrien geklärt werden müsse.

Außenminister Fischer sagte in Berlin zu den jüngsten Angriffen der Hisbollah-Milizen auf ein israelisches Ziel und dem israelischen Luftschlag: «Die Bundesregierung appelliert dringend an alle Beteiligten, von weiteren militärischen Aktionen abzusehen.» Auch Frankreich äußerte «große Besorgnis» und rief die Beteiligten auf, die Gewalt zu beenden. Das Außenministerium in Paris warnte vor der «Gefahr eskalierender militärischer Aktionen».

Der ägyptische Außenminister Amre Mussa verurteilte die israelische Aktion scharf als «Angriff auf einen souveränen Staat» und gelobte «volle Solidarität mit dem libanesischen Volk angesichts dieser Aggression». Auch die palästinensische Autonomiebehörde bezeichnete den Angriff in Libanon als «Bedrohung der regionalen Sicherheit». In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, die israelische Regierung verschärfe «die explosive Lage in der Region bis an den Rand eines Krieges.»

Palästinenser beschossen israelische Stadt nahe dem Gazastreifen

Palästinenser haben Montagabend die nahe am Gazastreifen liegende südisraelische Stadt Sederot mit Mörsern beschossen. Wie der israelische Rundfunk ferner berichtete, gab es keine Verletzten. Israelische Panzer hätten daraufhin in Vergeltung Beit Hanoun im nördlichen Gazastreifen unter Beschuss genommen. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei drei Bewohner verletzt. Ein zwischen israelischen und palästinensischen Sicherheitsexperten ursprünglich für Montagabend geplantes Treffen ist laut Radio Israel abgesagt worden, weil die Palästinenser nicht teilnehmen wollten. Der israelische Rundfunk bezog sich auf diplomatische Quellen in Jerusalem. dpa jab xx hf

Quelle: RPO Archiv

 
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