Sieben Palästinenser getötet: Nahost: Nach Anschlag Eskalation
zuletzt aktualisiert: 12.06.2002 - 16:44Ramallah/Gaza (rpo). Die Gewalt im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern geht unvermittelt weiter. Nach einem neuen tödlichen Selbstmordanschlag eines palästinensischen Extremisten in der zentralisraelischen Stadt Herzlia wurden im Gazastreifen sechs Palästinenser bei gewalttätigen Zwischenfällen getötet.
Unter den Getöteten war auch ein neunjähriger Junge. Die israelische Armee hob am Morgen erstmals die am Montag verhängte Ausgangssperre über die besetzte Stadt Ramallah im Westjordanland auf. Die Truppen setzten jedoch die Suche nach mutmaßlichen Extremisten im Gebiet um Tulkarem und Hebron fort. Dort erlag ein Palästinenser seinen vor vier Monaten erlittenen Schussverletzungen.
In Jerusalem zeichnete sich unterdessen eine neue Regierungskrise ab. Zwischen der Arbeitspartei und der Likud-Partei von Ministerpräsident Ariel Scharon kam es zum Streit über die Abkommen von Oslo, die zur Gründung der palästinensischen Autonomiebehörde geführt hatten.
Bei dem ersten Selbstmordanschlag im Zentrum von Herzlia waren am Dienstagabend vor einem israelischen Restaurant der Attentäter und ein 15-jähriges Mädchen getötet und 14 Gäste zum Teil schwer verletzt worden. Keine der bekannten Extremistengruppen der Palästinenser bekannte sich zu der Tat. Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte den Anschlag als "Terror" und forderte die Extremisten auf, alle Anschläge auf israelische Zivilisten in Israel und den besetzten Gebieten zu unterlassen.
Wenige Stunden nach dem Attentat feuerten israelische Soldaten auf eine Gruppe von Palästinensern, die sich nach Armeeangaben der jüdischen Siedlung Nezarim näherten. Vier schwer bewaffnete Palästinenser wurden auf der Stelle getötet, ein fünfter starb nach palästinensischen Angaben am Mittwoch in einem Krankenhaus. Die Armee geht davon aus, dass die Männer einen Anschlag geplant hatten.
Nach palästinensischen Angaben wurde bei Nezarim auch ein neunjähriger Junge in der Wohnung seiner Eltern von einem israelischen Geschoss getroffen und tödlich verletzt. Ein Armeesprecher sagte eine Prüfung des Zwischenfalls zu. Nach palästinensischen Angaben befindet sich rund 200 Meter von dem Haus des Opfers entfernt ein israelischer Wachturm.
Erstmals seit der Wiederbesetzung der Stadt Ramallah am Montagmorgen hob die Armee am Mittwoch die etwa 60 Stunden dauernde Ausgangssperre über die palästinensische Stadt für drei Stunden auf. Die etwa 80 000 Einwohner konnten ihre Häuser verlassen, um Nahrungsmittel einzukaufen.
Die Truppen setzten jedoch ihre Suche nach mutmaßlichen palästinensischen Extremisten in Ramallah und im Gebiet um Tulkarem fort. In dem Dorf Zeita bei Tulkarem nahmen Soldaten mehrere Männer fest, darunter angeblich einen potenziellen Selbstmordattentäter. Auch in Hebron wurden Palästinenser verhaftet.
Nach der Verhaftung des stellvertretenden Vorsitzenden der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), Abdel Rachim Malluh, hat die Palästinenserorganisation ihre Fortsetzung des Widerstandes gegen die israelische Besetzung mit allen Mitteln angekündigt. Zugleich warnte die in der syrischen Hauptstadt Damaskus ansässige Organisation Israel davor, Malluh Schaden zuzufügen.
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