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Israel hatte einseitigen Waffenstillstand angekündigt: Nahost: Trotz Feuerpause fließt Blut

zuletzt aktualisiert: 23.05.2001 - 18:05

Jerusalem (rpo). Trotz der israelischen Ankündigung eines einseitigen Waffenstillstands ist bei Zusammenstößen zwischen Israelis und Palästinensern erneut Blut geflossen. Der palästinensische Polizeichef in Gaza, Abdel Rasek Madschaida, erklärte, israelische Panzer hätten an drei Stellen die Grenze zum Gazastreifen überquert.

Bei Rafah lieferten sich Israelis und Palästinenser ein Feuergefecht, bei dem nach Angaben von Ärzten mindestens 24 Menschen verletzt wurden, darunter neun Kinder. In der Nähe einer jüdischen Siedlung im Westjordanland gerieten zwei israelische Autofahrer in einen Hinterhalt; ein Insasse wurde getötet, der zweite verletzt. Israelische Soldaten erklärten, sie seien beim Eintreffen am Tatort beschossen worden und hätten das Feuer erwidert.

Der Polizeichef von Gaza, Madschaida, sagte nach dem neuerlichen Aufflammen der Gewalt: "Die israelische Ausrufung eines Waffenstillstands ist eine große Lüge." Die Vorfälle der vergangenen Stunden zeigten, dass die israelische Regierung es nicht ernst meine. Ein Berater des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat, Achmed Abdel Rahman, bezeichnete das Angebot Israels als irreführend. "Es ist wichtig zu beachten, dass dies kein Krieg zwischen gleichen Parteien ist", sagte er. Der palästinensische Kabinettsminister Siad Abu Sajjad erklärte, Israel müsse die Empfehlungen der Mitchell-Kommission umsetzen. Nur so könne die Gewalt gestoppt werden.

Der israelische Verteidigungsminister Binjamin Ben Elieser hatte die Streitkräfte nach dem Angebot von Ministerpräsident Ariel Scharon angewiesen, nur noch bei Gefahr für das Leben von Israelis auf Palästinenser zu schießen. Nähere Einzelheiten über die Umsetzung der Feuerpause blieben aber unbekannt.

US-Präsident George W. Bush telefonierte am Mittwoch mit Scharon und Arafat. Nach Angaben des Weißen Hauses forderte er die beiden Kontrahenten zur Zusammenarbeit mit den USA auf, um ein Konzept für die Umsetzung der Vorschläge der Mitchell-Kommission zu entwickeln. In dem Mitchell-Bericht wird Israel zu einem Stopp aller Bautätigkeiten in den jüdischen Siedlungen aufgerufen; von den Palästinensern wird ein schärferes Vorgehen gegen Militante verlangt. Bush habe Scharon und Arafat aufgerufen, den Bericht als Chance zur Beendigung der Gewalt im Nahen Osten zu sehen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. "Beide haben zugestimmt, mit uns zusammenzuarbeiten", sagte Fleischer.

Belgische Abgeordnete laden Scharon aus

Abgeordnete der belgischen Regierungskoalition haben unterdessen den für Anfang Juni geplanten Besuch Scharons im Brüsseler Parlament blockiert. Sie begründeten die Ausladung am Mittwoch mit dem Einsatz israelischer Kampfflugzeuge gegen palästinensische Ziele in der vergangenen Woche. Scharon reist Anfang Juni nach Berlin, Paris und Brüssel.

Quelle: RPO Archiv

 
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