Britisches Kommando nimmt Kontakt zu Rebellen auf: NATO-Befehlshaber Ralston prüft Lage in Mazedonien
zuletzt aktualisiert: 20.08.2001 - 21:04Nikustak (rpo). NATO-Befehlshaber Joseph Ralston hat sich im Rahmen seiner Sondierungsmission am Montag ein Bild von der Lage in Mazedonien gemacht.
Der General, der am morgigen Dienstag dem NATO-Rat über die Situation Bericht erstatten soll, traf sich zunächst mit Vertretern des Bündnisses in Mazedonien und anschließend mit Präsident Boris Trajkovski und Regierungsmitgliedern. Ralstons Einschätzung ist mitentscheidend dafür, ob der NATO-Rat die volle Umsetzung der Mission zur Entwaffnung der albanischen Rebellen beschließt und 3.500 Soldaten in den Balkanstaat schickt.
Der NATO-Rat besteht aus den Botschaftern der 19 Mitgliedsstaaten des Bündnisses. Eine endgültige Entscheidung des Gremiums werde allerdings erst in einigen Tagen erwartet, hieß es in Brüssel. Die nächste reguläre Sitzung des Rats findet am Mittwoch statt.
Unterdessen reiste ein Verbindungsteam des britischen Vorauskommandos in das nordöstlich von Skopje gelegene Dorf Nikustak, das von den Rebellen gehalten wird. Der dortige Rebellenführer Adashi versprach dem britischen Offizier, bei der Waffenabgabe mit der NATO zusammenarbeiten zu wollen.
Das mazedonische Verteidigungsministerium kündigte unterdessen an, mit einem Truppenrückzug zu einer reibungslosen Entwaffnung beizutragen. In einer Stellungnahme hieß es, die Truppen wollten sich aus den Gebieten zurückziehen, in denen NATO-Soldaten die Waffen der Rebellen einsammeln wollen. Das Verteidigungsministerium wollte außerdem eine Flugverbotszone über den betroffenen Gebieten verhängen.
Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums verlautete, Streitkräfte und Polizei sorgten sich um den genauen Ablauf der geplanten Entwaffnung. Die Sicherheitskräfte sollen sich aus den Gebieten um die Sammelstellen zurückziehen, um so eine "freundliche Umgebung für die Entwaffnung zu schaffen", sagte ein Mitarbeiter des Ministeriums. Es werde jedoch befürchtet, dass die Rebellen die Gelegenheit nutzen könnten, um die geräumten Gebiete zu besetzen.
Unmittelbar vor Beginn von Ralstons Mission war die Waffenruhe erneut gebrochen worden. In der Nacht zum Montag kam es zu Schusswechseln zwischen albanischen Rebellen und Regierungstruppen bei Tetovo, in der Nähe der Ortschaft Poroj. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AP, die Truppen seien von den Separatisten beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Ein Kommandeur der Rebellen bestätigte, dass es ein "sehr intensives" Gefecht gegeben habe.
NATO-Sprecher Peter Altmannsperger bezeichnete die Situation insgesamt als angespannt. Er sagte im ZDF-Morgenmagazin, niemand könne garantieren, dass die Rebellen tatsächlich alle Waffen abgeben würden.
Erst am Sonntag hatte der politische Führer der Nationalen Befreiungsarmee (UCK), Ali Ahmeti, die Bereitschaft seiner Organisation zur Entwaffnung bekräftigt. "Wir werden alle unsere Waffen abgeben, weil wir sie nicht mehr benötigen", sagte er vor Journalisten.
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