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Kein Zusammenhang mit Erkankungen?: NATO-Mediziner erklären Uran-Munition für unbedenklich

zuletzt aktualisiert: 16.01.2001 - 17:51

Hamburg (AP). Der Einsatz von uranhaltiger Munition auf dem Balkan und Krebserkrankungen von Soldaten stehen nach Ansicht der obersten NATO-Mediziner nicht in einem ursächlichen Zusammenhang.

Dennoch forderte der Medizinische Ausschuss der Allianz nach Angaben vom Dienstag die 19 Mitgliedstaaten auf, weitere Informationen über die Erkrankung von Balkan-Soldaten zu sammeln und diese mit Daten anderer Soldaten und der Gesamtbevölkerung zu vergleichen. Nach einem ARD-Bericht soll Munition mit abgereichertem Uran auch Krebs erregendes Plutonium enthalten.

Wie der Vorsitzende des NATO-Ausschusses, der belgische Generalmajor Roger van Hoof (Foto), in Brüssel mitteilte, legten die Militärmediziner in ihrer Sitzung am Montag Daten der Mitgliedstaaten über das so genannte Balkan-Syndrom vor. Daraus habe sich kein Hinweis ergeben, dass die Krebserkrankungen von Balkan-Soldaten im Vergleich zu anderen Soldaten gestiegen seien. Daher gingen die Mediziner nicht von einem ursächlichen Zusammenhang von Munition mit abgereichertem Uran und den gemeldeten Leukämiefällen aus.

Es sei aber nicht zu ignorieren, dass Balkan-Soldaten über Gesundheitsprobleme klagten. Deshalb müssten weitere wissenschaftliche Studien über den Einsatz in Bosnien und im Kosovo unternommen werden. Der Medizinische Ausschuss werde die vergangene Woche von der NATO ins Leben gerufene Arbeitsgruppe deshalb unterstützen, weitere Informationen zu sammeln.

Das ARD-Magazin "Monitor" berichtete unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium, dass "das abgereicherte Uran, das dem US-Verteidigungsministerium vom US-Energieministerium zur Munitionsherstellung übergeben wurde, Spuren von Plutonium enthalten kann". Das auf dem Balkan verschossene Uran sei ein Abfallprodukt aus Anlagen der US-Streitkräfte zur Atomwaffenproduktion. In einem Schreiben, das "Monitor" vorliegt, habe das US-Energieministerium im Januar 2000 darauf hingewiesen, "dass das abgereicherte Uran Spuren von Plutonium enthält".

Wolfgang Köhnlein, stellvertretender Vorsitzende der Strahlenschutzkommission der Bundesregierung, hält es für möglich, dass die Leukämie-Fälle unter NATO-Soldaten auf das Plutonium in der US-Munition zurückzuführen sind: "Schon kleinste Mengen von Plutonium können erhebliche gesundheitliche Schäden hervorrufen", sagte er der ARD.

Karte mit Zielen in Bosnien bereitgestellt

Unterdessen stellte die NATO ihren Mitgliedstaaten eine detaillierte Karte mit den Einsatzgebieten uranhaltiger Munition in Bosnien zur Verfügung. Das teilte das italienische Außenministerium mit. In dem Brief von NATO-Generalsekretär George Robertson seien 19 Gebiete mit Zielen aufgelistet, die 1994 und 1995 von der Allianz bombardiert worden waren.

Ein Sprecher des italienischen Außenministeriums begrüßte den Schritt der NATO. Wegen des so genannten Balkan-Syndroms hatte die Regierung in Rom das Bündnis aufgefordert, alle Informationen zum Einsatz von uranhaltiger Munition in Bosnien und im Kosovo offen zu legen. In Italien sind mindestens sieben auf dem Balkan eingesetzte Soldaten an Krebs gestorben.

Quelle: RPO Archiv

 
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