Gegendemonstrationen blieben friedlich: Neonazis halten Polizei in Atem
zuletzt aktualisiert: 01.05.2002 - 19:12Frankfurt/Main (rpo). Etliche Neonazis sind am Mittwoch bundesweit durch die Städte marschiert. In Frankfurt am Main und Fürth kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Rechtsextremisten. Diese wollten sich nicht an Auflagen und Vorschriften halten.
Auch in Dresden, Berlin und Ludwigshafen versammelten sich NPD-Anhänger. In Frankfurt brachen die Neonazis ihre Kundgebung vorzeitig ab, ohne wie geplant durch das Industriegebiet im Stadtteil Fechenheim zu marschieren. Grund waren die strengen Polizeikontrollen sowie die Straßenblockaden mehrerer hundert Gegendemonstranten. Zuvor hatten rund 300 der insgesamt knapp 500 Neonazis versucht, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, um ohne Einzelkontrolle zum Versammlungsort vorzudringen. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein, drängte die Neonazis zurück und kesselte sie ein. Vereinzelt flogen Gegenstände.
Die Rechtsextremist Christian Worch kündigte für Samstag eine neuerliche Demonstration in Frankfurt an. Die Neonazis skandierten: "Wir sind das Volk" und "USA, internationale Völkermordzentrale". Das rund 5.000 Beamte umfassende Polizeiaufgebot kesselte auch die Linken ein, die sich an der nahe gelegenen Straßenblockade beteiligten. Andere Autonome besetzten Bahngleise auf der Strecke zwischen Hanau und dem Frankfurter Osten. Auch dagegen schritt die Polizei ein. Bereits am frühen Morgen hatten Unbekannte brennende Autoreifen auf die Autobahn 661 gelegt. Vor einem Jahr war es bei einer Neonazi-Kundgebung in Frankfurt zu schweren Ausschreitungen gekommen.
In Göttingen zahlreiche Linke in Gewahrsam genommen
Auch in Fürth musste die NPD nach massiven Protesten von mehr als 3.000 Gegendemonstranten eine Kundgebung abbrechen. Die 350 Rechtsextremisten kamen nicht gegen das Pfeif-Konzert ihrer Gegner an und zogen unter dem Schutz eines Großaufgebots der Polizei wieder ab. Aus den Reihen linker Gegendemonstranten flogen Glasflaschen, Eier und faules Obst. Mehrere Personen aus beiden Gruppen wurden festgenommen. Zuvor war entlang der Demonstrationsroute aus Häusern Wasser auf die Neonazis geschüttet worden.
Bei einer NPD-Kundgebung in Göttingen wurden rund 100 Gegendemonstranten in Gewahrsam genommen worden. Sie hatten nach Polizeiangaben versucht, die Zufahrt zum Kundgebungsgelände zu blockieren. Insgesamt protestierten rund 1.000 Menschen gegen den Aufmarsch von knapp 200 Rechtsextremisten.
In Ludwigshafen verhinderten rund 500 Gegendemonstranten, dass 350 NPD-Anhänger den Hauptbahnhof verlassen konnten. Es kam zu kleineren Rangeleien. Vier Linke wurden fest- oder in Gewahrsam genommen. Die Beamten brachten schließlich die Rechtsextremisten per Zug zu ihrem Kundgebungsort.
Bei einer Kundgebung von 800 NPD-Anhängern im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen löste die Polizei einige Sitzblockaden von rund 250 Gegendemonstranten auf. Größere Zwischenfälle gab es nicht. In Dresden versammelten sich am Mittag rund 1.000 Neonazis zu einer Kundgebung. Etwa 300 Linke protestierten gegen den Aufmarsch. Zwischenfälle wurden zunächst nicht gemeldet.
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