Truppenaufmarsch: Neue Konfrontation in Mazedonien
zuletzt aktualisiert: 30.08.2002 - 19:11Skopje/Brüssel (rpo). Bei einer neuen Konfrontation zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Albanern sind im Westen Mazedoniens zwei Männer erschossen worden. Die Regierung in Skopje verlegte am Freitag gepanzerte Truppen in das Krisengebiet.
Zuvor hatten Albaner fünf slawische Mazedonier als Geiseln genommen, um festgenommene Landsleute freizupressen. Die Eskalation zwei Wochen vor den Parlamentswahlen alarmierte Diplomaten und Friedensmittler. NATO-Generalsekretär George Robertson verurteilte die Gewalt und forderte die albanischen Geiselnehmer auf, ihre Opfer sofort und bedingungslos freizulassen.
"Die Provokationen müssen enden", sagte Robertson am Freitag in Brüssel. Er rief die Bevölkerung des Balkanlandes auf, ruhig zu bleiben. Robertson nannte die Parlamentswahlen in zwei Wochen eine historische Chance, um das Land auf dem Weg in Richtung Europa zu halten. Diesbezügliche Abkommen müssten eingehalten werden, mahnte Robertson. Aus der Regierung in Skopje war zuvor ein hartes Durchgreifen angekündigt worden.
Skopje schickte Spezialeinheiten des Innenministeriums los, die bei der Stadt Tetovo Straßen in die von Albanern bewohnten Gebiete absperrten. Albanische Quellen berichteten, Albaner in der von Polizei mit Schützenpanzern umstellten Ortschaft Zerovljane hätten sich bewaffnet. Es seien auch uniformierte Kämpfer der militanten Splittergruppe "Albanische Nationalarmee" (AKSh) gesehen worden. Bei der Ortschaft waren die slawischen Mazedonier aus einem Bus entführt worden.
"Von jetzt an werden wir entschiedener gegen Extremisten vorgehen. Sie drohen, Gefangene hinzurichten, wenn bei der Stadt Gostivar festgenommene Albaner nicht freigelassen werden", sagte ein Polizeioffizier der dpa in Skopje. Entlang der Schnellstraße zwischen Tetovo und Gostivar wurde zudem die Leiche eines bis zum Freitagnachmittag noch nicht identifizierten Mannes gefunden.
Die Polizei teilte mit, sie habe an einem Kontrollpunkt einen angreifenden Albaner erschossen und einen weiteren festgenommen. Während des Vormarschs auf die Ortschaft Zerovljane töteten Spezialeinheiten am Nachmittag einen zweiten Albaner, der nach Polizeiangaben das Feuer eröffnet hatte.
Vertreter der NATO-Schutztruppe und der OSZE-Mission in Mazedonien waren in die Verhandlungen zur Beilegung der Krise eingebunden. Die Lage in Mazedonien war in der Nacht zum Montag eskaliert, als beim schlimmsten Anschlag seit Monaten bei Gostivar zwei Polizisten getötet worden waren. Zu dem Anschlag hat sich die militante AKSh bekannt. Die Polizei nahm seitdem mehrere Albaner in dem Gebiet fest, die der Mittäterschaft beschuldigt werden. Zudem wurde eine Festnahme des früheren Rebellenführers Ali Ahmeti angekündigt.
Mazedonien war im vergangenen Jahr wegen der Kämpfe zwischen albanischen Rebellen und Regierungstruppen an den Rand eines Bürgerkriegs geraten. Mit internationaler Vermittlung haben sich die Politiker beider Volksgruppen auf einen Friedensplan geeinigt, der der albanischen Volksgruppe mehr Rechte brachte. Eine NATO- Schutztruppe sichert in Mazedonien unter niederländischer Führung internationale Beobachter.
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