Offizier ermordet / Proteste gegen Terror: Neues ETA-Attentat: Offizier erschossen
zuletzt aktualisiert: 10.08.2000 - 09:31Pamplona/Madrid (dpa). Die baskische Separatistenorganisation ETA hat ihre Terroroffensive weiter verstärkt. Einen Tag nach der Zündung von zwei Autobomben erschossen mutmaßliche ETA-Terroristen am Mittwoch einen Leutnant der spanischen Streitkräfte in Pamplona in Nordspanien. Nach Angaben von Anwohnern feuerten ein oder zwei Terroristen dem 47-jährigen Offizier aus nächster Nähe drei Kugeln in den Kopf.
Nach Angaben des staatlichen Rundfunks besteht kein Zweifel daran, dass die ETA für dieses Attentat verantwortlich war. Der Leutnant wurde ermordet, als er mit seinem Auto nach Hause kam. Der oder die vermummten Mörder folgten ihm nach Angaben von Anwohnern in die Garage, öffneten die Tür des Wagens und feuerten drei Schüsse auf das Opfer ab. Die Täter konnten entkommen. Verteidigungsminister Federico Trillo brach sofort seinen Urlaub ab und flog nach Pamplona.
Das Attentat ereignete sich nur einen Tag nach den beiden Autobomben-Anschlägen der ETA im Baskenland und Madrid. Dabei waren im Baskenland ein Industrieller getötet und in Madrid bei der Explosion von 25 Kilogramm Sprengstoff in einem Wohnviertel elf Menschen verletzt worden. In der Nacht zuvor waren vier ETA- Mitglieder in Bilbao zerrissen worden, als in ihrem Auto eine Ladung Sprengstoff versehentlich explodierte.
Tausende von Spaniern demonstrierten am Mittwoch vor den Rathäusern des Landes gegen den Terror der ETA. Ministerpräsident Jose Maria Aznar kam in seinem Urlaubsdomizil Oropesa an der Mittelmeerküste zu einem Krisengespräch mit Innenminister Jaime Mayor Oreja zusammen. Der konservative Regierungschef hatte zuvor die Spanier zur Einheit im Kampf gegen den Terror aufgerufen. "Wir werden uns dem Terror nicht beugen", sagte Aznar.
Papst Johannes Paul II. und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi verurteilten den Terror der ETA. "Ich hoffe von ganzem Herzen, dass jede Art der Gewalt, die Trauer und Schmerz sät, aufhören möge und dass die Menschen zu Eintracht und friedlichem Miteinander finden", sagte der Papst bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.
Die Staatsanwaltschaft in Bilbao erstattete Anzeige gegen den Sprecher der ETA-nahen Partei Euskal Herritarrok (EH/Baskische Bürger), Arnaldo Otegi, wegen Verherrlichung des Terrorismus. Der Führer der Separatistenpartei hatte die vier ums Leben gekommenen ETA-Terroristen als "Genossen" und "Patrioten" bezeichnet.
Anhänger der ETA verübten unterdessen neue Gewalttaten im Baskenland. In San Sebastian und in Vitoria setzten mutmaßliche Sympathisanten nach Angaben der Polizei zwei Stadtbusse in Brand. In Bilbao schleuderten vermummte Jugendliche Brandsätze auf die Privatschule eines Politikers von Aznars Volkspartei (PP). Menschen wurden nicht verletzt. In San Sebastian störten ETA-Anhänger eine Anti-Terror-Kundgebung.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

