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Düsseldorf
Nicht kastrierte Kater nur im Haus halten

Düsseldorf. Die Tiere sollen nur noch in der Natur herumstreifen dürfen, wenn sie sich nicht mehr vermehren können. Das empfiehlt der Tierschutzbericht des Bundes. Von Oliver Burwig und Christian Schwerdtfeger

Zum Lachen ist Johannes Remmel derzeit wirklich nicht zumute, wenn man ihn auf Hauskatzen anspricht. Dabei hatte es der nordrhein-westfälische Umweltminister (Grüne) eigentlich gut gemeint, als er vor Kurzem eine 18-seitige Musterordnung für Städte und Gemeinden vorlegte, wie sie die Vermehrung verwilderter Hauskatzen kontrollieren können - unter anderem mit Kastration der Kater. Der 53-Jährige hätte sich wohl kaum vorstellen können, was er damit auslöste. Was folgte, war ein politisches Hauen und Stechen. Oppositionsführer Armin Laschet (CDU) wetterte etwa via Kurznachrichtendienst Twitter, ob die Regierung noch alle Tassen im Schrank hätte. Seine Fraktionskollegen glaubten gar an einen verfrühten Aprilscherz.

Und nun erhielt Remmel ausgerechnet von Bundesagrarminister Christian Schmidt von Laschets Schwesterpartei CSU Rückendeckung. Das Bundeskabinett beschloss vorgestern auf seine Initiative eine Art Stubenarrest für nicht kastrierte Hauskatzen, die helfen könnte, die Zahl herumstreunender Tiere zu verringern. Denn so könne verhindert werden, dass Hauskatzen mit wild lebenden Tieren unkontrolliert Nachwuchs zeugen. Konkret heißt das: Hauskatzen können unter Umständen einer Kastrationspflicht unterworfen werden.

Und das steht unter anderem auch schon so ähnlich in Remmels Musterordnung für die Städte: "Unkastrierte Freigängerkatzen nehmen zwangsläufig Kontakt mit freilebenden Katzen auf, so dass sie fortlaufend zum Vermehrungsgeschehen beitragen", heißt es darin zur Erklärung.

Das Recht, eine solche Verordnung zu erlassen, liegt bei den Städten, die davon allerdings bisher kaum Gebrauch gemacht haben. Das soll sich laut dem aktuellen Tierschutzbericht der Bundesregierung nach Möglichkeit aber ändern. Denn "verwilderte Katzen ohne menschliche Obhut und Versorgung erfahren häufig Schmerzen, Leiden oder Schäden in teilweise erheblichem Ausmaß", heißt es in dem Dokument. Obwohl viele Tierschutzvereine in Deutschland mit staatlichen Zuschüssen streunende Katzen einfangen und kastrieren, sei eine effektive "Populationskontrolle" kaum möglich, weil immer wieder "unkastrierte Tiere zuwandern". Oft werde auch einfach der Nachwuchs der eigenen Haustiere ausgesetzt, der die Anzahl der verwilderten Katzen zusätzlich erhöht. Da das Problem regional in unterschiedlichem Grad auftritt, sei "eine bundesweite Regelung unverhältnismäßig".

Die Tierschutzverbände stellen sich auf die Seite des Ministeriums, da sie um das Wohlergehen der verwilderten Hauskatzen fürchten. "Alle sind sich darin einig, dass es zu viele Katzen gibt", sagt Nabu-Sprecherin Birgit Königs. Eine Kastration sei für einen Kater zwar "nicht angenehm", professionell von einem Tierarzt ausgeführt aber "keine Tierquälerei". Königs befürchtet jedoch, dass es kaum zu kontrollieren sei, ob ein Halter seine Katze kastrieren lasse oder nicht.

Auch der Deutsche Tierschutzbund ist für die Kastration freilaufender Hauskatzen "Es gibt etwa zwei Millionen verwilderte Katzen in Deutschland. Das sind nach wie vor domestizierte Tiere, die auf die Hilfe des Menschen angewiesen sind", sagte Sprecherin Lea Schmitz. Demnach seien Jungtiere oft unterernährt. Sie spricht sogar von einer "Verelendung und Verwahrlosung", der die Kastrationsverordnung präventiv entgegenwirken könnte.

Holger Sticht, Vorsitzender des BUND in NRW, fordert sogar, dass Katzenbesitzer zur Kastration ihrer Tiere gezwungen werden müssen. "Hauskatzen sind nur bedingt in der Lage, draußen zu leben." Abschüsse hätten sich in der Vergangenheit als "völlig wirkungslos" in Hinblick auf die wachsende Population streunender Katzen erwiesen. Das Ordnungsrecht der Städte sei demgegenüber ein "Hebel", mit dem Besitzer sensibilisiert werden könnten, das Problem selbst zu lösen.

Quelle: RP
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