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Nobelpreisträger erhöhen Druck auf Peking

Auf Friedensnobelpreisträger ist Peking schlecht zu sprechen. Nicht nur, weil Oslos diesjähriger Preis an den inhaftierten Bürgerrechtler Liu Xiaobo ging. Zornig reagierte Chinas Führung, als sich 15  frühere Preisträger, darunter Ex-US-Präsident Jimmy Carter, der Dalai Lama, Lech Walesa und Elie Wiesel, mit Liu solidarisierten. Sie appellierten kurz vor dem G20-Gipfel am 11. und 12. November in Seoul an die wichtigsten Staatsführer der Welt, sich für eine Freilassung Lius und seiner unter Hausarrest stehenden Frau Liu Xia einzusetzen. Von Johnny Erling

Die Gruppe hatte sich zum Schreiben des Briefes entschlossen, nachdem direkte Appelle an Staats- und Parteichef Hu Jintao durch Tschechiens ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel und dem früheren Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, ignoriert worden waren. Die Nobelpreisträger appellieren nun an die G20-Teilnehmer: "Wir bitten Sie nachdrücklich, sich persönlich bei Präsident Hu Jintao für eine Freilassung Lius zu verwenden."

Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking erteilte dem Ansinnen, die Frage auf die G20-Tagesordnung zu bringen, eine Absage: Liu sei ein verurteilter Krimineller. Der Sprecher erklärte zudem, Lius Ehefrau sei ihm nicht bekannt, und verweigerte die Antwort auf die Frage, ob sie zur Preisverleihung am 10. Dezember nach Oslo ausreisen darf. 20 Tage nach der Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers hält Peking die Nachrichtensperren zum Thema aufrecht. Zudem wurden Mitunterzeichner von Lius Freiheitsaufruf "Charta 08", weitere Sympathisanten und Unterstützer unter Hausarrest gestellt. Zudem werden ihre Telefone abgehört, ihre Außenkontakte wurden gekappt.

Ehefrau Liu Xia gelang es dennoch, einen Brief an eine US-Menschenrechtsorganisation herauszuschmuggeln. Sie glaube nicht daran, schreibt sie, dass Peking ihren Mann oder sie nach Oslo fahren lasse. Sie fügte eine Liste mit 145 Namen von einflussreichen Vertretern der Zivilgesellschaft bei, von denen sie und ihr Mann sich wünschten, dass sie bei der Verleihung dabei sein sollten.

(Rheinische Post)
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