FBI setzt Auswertung der Datensammlung fort: Noch immer Rätselraten um Festplatten aus Atomlabor
zuletzt aktualisiert: 18.06.2000 - 17:19Washington (dpa). Auch nachdem die verschwundenen Computer- Festplatten mit Geheimdaten aus dem US-Atomwaffenlabor Los Alamos wieder aufgetaucht sind, herrscht weiter Rätselraten über die Hintergründe der Tat. Das FBI setzte am Sonntag die Auswertung der Datensammlung fort und unterzog Dutzende Wissenschaftler einem Lügendetektortest. Die Festplatten waren in einem Sicherheitstrakt des Labors hinter einem Kopierer gefunden worden. Die Stelle war zuvor bereits zwei Mal abgesucht worden.
Die Datenträger wurden direkt nach Washington geflogen, wo das FBI klären wollte, ob die geheimen Daten über Atomwaffen kopiert wurden. Auf den Festplatten sind neben allen wesentlichen Geheimdaten zur Entschärfung der amerikanischen Atombomben nach einem Bericht der "Los Angeles Times" auch Informationen über Atomwaffen Frankreichs, Chinas und Russlands enthalten. Ein Experte sagte im Fernsehsender MSNBC, die Untersuchung könne Wochen dauern.
Mehrere Senatoren äußerten die Sorge, die Informationen könnten Terroristen in die Lage versetzen, Atomsprengsätze zu bauen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat George Bush erklärte, die Regierung von Präsident Bill Clinton sei für die Sicherheitslücken verantwortlich.
In X-Sektion des Geländes gefunden
Nach Angaben der "Washington Post" wurden die Festplatten in der so genannten X-Sektion des Laborgeländes gefunden. Dort befindet sich auch der unterirdische Bunker, aus dem sie vor Wochen verschwunden waren. Das FBI schließt nicht aus, dass ein Wissenschaftler die Datenträger bei der Evakuierung während des Waldbrandes im Mai versehentlich mitgenommen und sie nun zurückgebracht hat, um nicht in den Verdacht der Spionage zu geraten.
Die Datenträger gehören zur Ausrüstung einer Spezialeinheit des US-Energieministeriums, dem Nuclear Emergency Security Team (NEST), das bei Zwischenfällen mit Atomwaffen zur Entschärfung der Sprengsätze eingesetzt werden soll. Zu dem Bunker, in dem sie gelagert waren, hatten 83 Personen Zugang. Von diesen 83 Personen konnten 26 ohne Kontrolle und allein in die unterirdischen Räume. Sie alle wurden mit dem Lügendetektor getestet.
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