Kein Gegenkandidat bei der Wahl: Nordirischer Unionistenchef David Trimble wiedergewählt
zuletzt aktualisiert: 23.06.2001 - 13:52Belfast/London (rpo). Kein Wechsel an der Spitze der größten protestantischen Partei in Nordirland. Friedensnobelpreisträger David Trimble bleibt Chef der Ulster Unionisten. Er wurde am Samstag in Belfast auf dem Parteitag der Unionisten ohne Gegenkandidaten für ein Jahr wiedergewählt. Trimble war angesichts des schlechten Ergebnisses bei den britschen Unterhauswahlen in die Kritik geraten. Dort hatte seine Partei vor allem an die radikalprotestantische DUP von Pfarrer Ian Paisley verloren.
Der rechte Flügel der UUP verzichtete am Samstag jedoch auf einen Gegenkandidaten. Der Grund dafür war, dass Trimble am 1. Juli als Erster Minister der protestantisch-katholischen Regionalregierung von Nordirland zurücktreten will, wenn die Untergrundorganisation IRA bis dahin nicht mit ihrer Entwaffnung begonnen hat. Damit war Trimble den Hardlinern in seiner Partei entgegengekommen.
In seiner Rede vor den Delegierten warf Trimble der Paisley-Partei eine "Schmutzkampagne" vor. "Aber die schmutzigen Tricks und persönlichen Angriffe sind gescheitert", sagte er. Die UUP werde die größte Protestantenpartei bleiben. An die IRA appellierte Trimble, endlich ihre Verpflichtungen aus dem Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 zu erfüllen und ihre Waffen abzugeben. Wenn sie ihre Blockadehaltung in der nächsten Woche nicht aufgebe, werde er als Regierungschef zurücktreten. "Ich bin bereit", versicherte Trimble. "Wir wollen Frieden, wir wollen Selbstverwaltung. Wir sind bereit, einen beträchtlichen Teil der Last zu übernehmen - aber wir können es nicht allein tun."
Auf den Straßen von Belfast kam es in der Nacht zum Samstag erneut zu gewaltsamen Zwischenfällen. Sicherheitskräfte wurden von Jugendlichen mit Steinen beworfen. Außerdem soll ein maskierter Mann in der vorwiegend von Protestanten bewohnten Shankill Road im Norden der Stadt aus einer Menge heraus sechs Schüsse auf die Polizei abgefeuert haben. Verletzte gab es nicht. In den beiden Nächten zuvor waren bei Straßenkämpfen insgesamt 63 Polizisten verletzt worden.
Die britische Regierung beschloss unterdessen, 1600 zusätzliche Soldaten nach Nordirland zu schicken. Der Grund dafür seien aber nicht die Ausschreitungen, sondern die bevorstehende Marschsaison des Oranierordens, teilte das Nordirland-Ministerium mit. Bei den Paraden der protestantischen Oranier in der ersten Julihälfte war es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu blutigen Zusammenstößen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen gekommen. Die Märsche erinnern an einen Sieg des protestantischen Königs Wilhelm von Oranien (1650-1702) über den von ihm gestürzten katholischen König Jakob II. dpa cd xx hf
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