Jahrzehntelange internationale Isolation vorbei?: Nordkorea nimmt erstmals an Regionalforum der ASEAN teil
zuletzt aktualisiert: 27.07.2000 - 12:23Bangkok/Washington (AP). Nach jahrzehntelanger internationaler Isolation hat das kommunistische Nordkorea am Donnerstag erstmals am wichtigsten asiatischen Sicherheitsforum teilgenommen. Der nordkoreanische Außenminister Paek Nam Sun traf in Bangkok mit den Vertretern der 23 Staaten des Regionalforums des Verbandes Südostasiatischer Staaten (ASEAN) zusammen. Diesem gehören neben den zehn ASEAN-Staaten weitere 13 Länder mit Sicherheitsinteressen in der Region an, darunter auch die USA.
Der australische Außenminister Alexander Downer erklärte, der Dialog mit Nordkorea sei sinnvoller als ein Ausschluss des Staates aus regionalen und internationalen Vereinbarungen. Die Teilnahme Nordkoreas am ASEAN-Regionalforum nährte die Hoffnung auf größere Stabilität im Asiatisch-Pazifischen Raum. Kanada kündigte am Mittwoch Gespräche zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Nordkorea an. US-Außenministerin Madeleine Albright will am Freitag mit ihrem nordkoreanischen Kollegen zusammenkommen. Es wäre das erste Treffen zwischen Außenministern beider Staaten.
Thema der Gespräche auf dem Regionalforum sollte auch das nordkoreanische Raketenprogramm sein, mit dessen Bedrohung die USA unter anderem ihre Pläne für eine nationale Raketenabwehr (NMD) begründen. Am Donnerstag sorgte jedoch ein anderes militärisches Projekt der USA für Kritik. Russland, China und Japan kündigten heftigen gemeinsamen Widerstand gegen Pläne zum Ausbau der regionalen US-Raketenabwehr in Asien an, die bislang dem Schutz der amerikanischen Truppen in Südkorea und Japan dient. Der russische Außenminister Igor Iwanow berichtete am Mittwoch, der stellvertretende US-Außenminister Strobe Talbott habe diese Option ins Gespräch gebracht.
Russland warnte im Falle der Ausdehnung des Raketenschutzschildes auf Südostasien vor einer Destabilisierung der Region. China betrachtet eine mögliche Ausdehnung des Abwehrsystems auf Taiwan zudem als Einmischung in innere Angelegenheiten. Talbott wies die Befürchtungen zurück und erklärte, die Raketenabwehr werde in der gegenwärtigen Situation sicher nicht auf Südostasien ausgedehnt.
ASEAN begrüßt Kurskorrektur der EU gegenüber Birma
Unterdessen begrüßten die ASEAN-Staaten die Kurskorrektur der EU in ihrer Haltung zu Birma. Die EU erklärte am Mittwoch, die Sanktionen gegen das birmanische Militärregime beizubehalten, dem Staat aber die Teilnahme an Ministergesprächen zwischen ASEAN und der EU zu ermöglichen. Bisher hatte es die EU mit Hinweis auf die Menschenrechtslage abgelehnt, an Gesprächen in Gegenwart von Vertretern der birmanischen Militärregierung teilzunehmen. Neben Birma, Thailand und Laos gehören Brunei, Kambodscha, Indonesien, Malaysia, Singapur, Vietnam und die Philippinen zur ASEAN-Gruppe.
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