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Nach einem Sprengstoffanschlag in Eisenach: NPD-Mitglied festgenommen

zuletzt aktualisiert: 10.08.2000 - 21:31

Eisenach (AP). Bei dem Sprengstoffanschlag auf einen Döner-Imbiss in Eisenach ist Sprengstoff mit TNT-Anteilen als Zündbeschleuniger verwendet worden. Wie der Präsident des Landeskriminalamtes Thüringen, Harald Kunkel, am Donnerstagabend sagte, ist ein solcher Zündstoff in Bombenbastler-Kreisen nicht ungewöhnlich. Der Sprengstoff war vermutlich in einer Kohlesäure-Druckgas-Patrone enthalten, mit der Erfrischungsgetränke bereitet werden.

Die Polizei setzte eine Sonderkommission von vier Beamten ein. Bei dem Anschlag in der Nacht zum Donnerstag war niemand verletzt worden. Als Verdächtigen nahm die Polizei einen 19-Jährigen fest, der zur lokalen NPD-Führung gehört.

Bei dem Anschlag wurde die gläserne Eingangstür der Gaststätte beschädigt; der Schaden wird auf 1.500 Mark geschätzt. Der Verdächtige ist Anführer der Eisenacher NPD-Kameradschaft und Mitglied des Landevorstandes der NPD-Nachwuchsorganisation "Junge Nationaldemokraten" und bestritt am Donnerstag jede Tatbeteiligung.

Innenminister Christian Köckert (CDU) wies auf der Pressekonferenz darauf hin, das Gewaltanwendung in Thüringen mit diesem Anschlag eine neue erschreckende Qualität erreicht habe. In welche Richtung solche Gewalt führen könne, zeigen Vorfälle wie in Düsseldorf oder Lübeck. "Wenn sich erweisen sollte, dass sich der Tatverdacht gegen den Festgenommenen bestätigt, dann wäre das ein weiterer Beleg für die Öffnung der NPD für die gewaltbereite Szene".

In diesem Zusammenhang wies er auf die Diskussionen über ein NPD-Verbot hin. Dabei sagte er, dass am morgigen Freitag die von den Innenstaatssekretären vereinbarten Bund- und Länderkommission zu ihrer ersten Beratung zusammen komme. Köckert geht davon aus, dass die Innenministerkonferenz bei ihrer nächsten Beratung am 18. August bereits über eine Empfehlung dieser Kommission zum NPD-Verbot beraten werde.

In Eisenach hatte es vor knapp zwei Wochen einen rassistischen Überfall auf zwei afrikanische Asylbewerber gegeben. Die vier mutmaßlichen Täter zwischen 17 und 21 Jahren sitzen in Untersuchungshaft beziehungsweise einem Jugendheim und müssen mit einem Prozess wegen schwerer Körperverletzung, Völkerverhetzung und Beleidigung rechnen.

Quelle: RPO Archiv

 
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