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Düsseldorf
NRW-Bürger wollen Olympia 2028

Düsseldorf. Überraschend hohe Zustimmung für Olympia in NRW: 68 Prozent der Menschen sprechen sich in einer Umfrage für die Spiele aus. Von Gianni Costa, Detlev Hüwel und Thomas Reisener

In Nordrhein-Westfalen herrscht keine Olympia-Müdigkeit. Mehr als zwei Drittel der Bürger wünschen sich die alle vier Jahre stattfindenden Spiele an Rhein und Ruhr. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Mentefactum im Auftrag unserer Redaktion. Von den 1004 Befragten sprachen sich 68 Prozent für Olympische Spiele in NRW aus. Ein Viertel der Befragten ist dagegen, sieben Prozent haben sich enthalten.

Die deutliche Zustimmung widerlegt die Skepsis des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die jüngere Vergangenheit habe "gelehrt, dass die Mehrheit der Menschen vor Ort nicht oder nur bedingt dafür zu gewinnen ist", hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann zuletzt erklärt. Man müsse realistisch bleiben, heißt es nun beim DOSB. In München (Winterspiele 2022) und Hamburg (Sommerspiele 2024) habe die Bevölkerung ein Vorhaben abgelehnt. Man werde sich deshalb nicht gleich wieder in den nächsten Versuch stürzen. Erst wenn es wirklich den Nachweis einer Region gebe, sich für die Olympischen Spiele zu bewerben, würde der DOSB noch einmal beraten.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ging zuletzt von einer eher dünnen Akzeptanz aus. Sie befürwortet das Projekt: "Das ist eine tolle Chance, die Region zu präsentieren." Kraft fordert "bodenständige" Spiele, bei denen "das Internationale Olympische Komitee auf übertriebenen Bombast verzichtet". Vor allem die Paralympischen Spiele liegen ihr am Herzen: "Es ist toll zu sehen, wie da Inklusion durchgehend gelebt wird".

Die CDU hat beantragt, dass der Landtag die Initiative für eine Bewerbung Nordrhein-Westfalens um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2028 ergreift. Das Parlament wird darüber am Donnerstag erstmals beraten.

Laut unserer Umfrage besteht in den kleineren Städten die größte Zustimmung (77 Prozent). In den größeren Städten liegt sie immerhin noch bei über 66 Prozent. Von den befragten Schülern sind 76 Prozent Fans von Spielen in NRW, von den Berufstätigen 68 Prozent. Auch 71 Prozent der befragten Arbeitslosen sind für Olympia in NRW. Unter Männern und Frauen ist die Zustimmung etwa gleich groß, 18- bis 29-Jährige stimmen mit 71 Prozent am deutlichsten zu, die 30- bis 49-Jährigen zu 66 Prozent, alle Älteren zu 68 Prozent.

Auf die Frage, wo in NRW die Spiele stattfinden sollen, votierten 68 Prozent der Befragten dafür, dass es "die ganze Region Rhein-Ruhr, also Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet zusammen" sein sollte. Zehn Prozent favorisieren Köln und acht Prozent Düsseldorf. Sieben Prozent nannten das Ruhrgebiet als alleinigen Veranstaltungsort.

Im Gespräch mit unserer Redaktion hat Sportvermarkter Michael Mronz, der Geschäftsführer des Reitturniers CHIO, eine "Städtepartnerschaft für Olympische Spiele in der Region" vorgeschlagen: "NRW hätte mit einer Rhein-Ruhr Olympic City-Bewerbung die notwendigen Strukturen und Voraussetzungen dazu. Für Olympische Spiele in einer Städteregion müsste nicht die Infrastruktur wie in einer einzelnen Stadt neu gebaut werden. Wir können mit intelligenten Ideen das Vorhandene nutzen. Die Fußball-WM 2006 hat doch gezeigt, wozu NRW in der Lage ist."

Düsseldorf hatte sich mit dem Ruhrgebiet bereits um die Olympischen Spiele 2012 beworben, war aber auf nationaler Ebene dem Mitbewerber Leipzig unterlegen. Die Spiele fanden schließlich in London statt. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) spricht jetzt von einem für die Gesamtregion Rhein-Ruhr "interessanten Projekt" und hebt die regionale Zusammenarbeit und die Erneuerung der Infrastruktur hervor. Seine Kölner Amtskollegin Henriette Reker (parteilos) warnt aber vor zu großer Euphorie: "Wie aktuelle Beispiele zeigen, können sich Umfrageergebnisse zu diesem Thema leicht drehen." Voraussetzung sei für sie "eine ernsthafte Bürgerbeteiligung, bei der die Bürgerinnen und Bürger ihr Votum zu dieser Idee abgeben können."

Der Städte- und Gemeindebund NRW hält gar nichts von Olympischen Spielen. "Das ist nur ein Ablenkungsmanöver. Wir haben andere Aufgaben vor der Brust", sagte Hauptgeschäftsführer Bernd Jürgen Schneider unserer Redaktion. Das Land solle lieber in Bildung und den Ausbau der Sicherheit investieren.

Quelle: RP
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