Leverkusen: Analyse: Wer hat die beste Chance?
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 29.08.2009Amtsinhaber Ernst Küchler (SPD) oder Herausforderer Reinhard Buchhorn (CDU) – alles andere als einer der beiden als Sieger der Oberbürgermeisterwahl wäre eine Riesenüberraschung. Doch eine Unwägbarkeit gibt es: die Bundespolitik.
Einen Sieger gibt es schon, bevor der erste der rund 127 000 Wahlberechtigten am Sonntag in Leverkusen sein Kreuzchen hinter einen der Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl gemacht hat: die Fairness. Insbesondere die Hauptkonkurrenten um das Amt des Verwaltungschefs, Ernst Küchler und Reinhard Buchhorn, haben sich einen Wahlkampf geliefert, der alles in allem ohne Schmutzkampagnen oder persönliche Diskreditierungen ausgekommen ist. Der Oberbürgermeister und sein Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Leverkusen kennen und schätzen einander. Das war bei früheren Kontrahenten keineswegs immer so.
Der "Ulla-Schmidt-Faktor"
Küchler, der als gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen antritt, und Buchhorn, der für CDU und FDP ins Rennen gegangen ist, werden die größten Chancen im Kampf um den Chefsessel eingeräumt. Es ist unter anderem der Bonus des Amtsinhabers, der dem Sozialdemokraten am Ende den ersehnten Vorsprung bescheren könnte: Zum ersten Mal wird es bei der Abstimmung zum Oberbürgermeister keine Stichwahl mehr geben. Das erste Ergebnis gilt – und das nutzt dem in der Regel deutlich bekannteren "Platzhirschen".
Doch grau ist alle kommunale Theorie, wenn die Bundespolitik ins Spiel kommt. Ein ranghoher Leverkusener SPD-Vertreter unkte vorgestern beim Kandidaten-Test der RP in der Opladener Fußgängerzone bereits: "Wenn wir es am Sonntag nicht schaffen sollten, bedanken wir uns bei Ulla Schmidt." Die Auswirkungen der Dienstwagen-Affäre der Bundesgesundheitsministerin könnten sich in der Tat als Sprengsatz für die sozialdemokratische Siegeszuversicht in der Stadt erweisen.
Küchler oder Buchhorn? Nicht wenige Leverkusener glauben, das mache am Ende kaum einen Unterschied. Nicht nur, weil sich beide in ihrer sachlichen, pragmatischen Art durchaus ähnlich sind. Ein Oberbürgermeister im Not-Etat, der nur noch Geld für Dinge ausgeben kann, zu denen die Stadt gesetzlich verpflichtet ist, hat ungefähr soviel Spielraum wie ein Hürdenläufer, der an Händen und Füßen gefesselt ist.
Alfred Mertgen (OWG-UWG), der in diesen Tagen immer betont, er trete für die "Freien Wähler" an – diese Bezeichnung soll nach dem erfolgreichen Abschneiden der Freien bei der Landtagswahl in Bayern 2008 nun auch hier die Chancen erhöhen – gilt ebenso wie Bürgerlistenkandidat Erhard Schoofs lediglich als Außenseiter. Letzterer verkündet zwar gewohnt bescheiden im Brustton der Überzeugung: "Ich bin nicht mehr aufzuhalten." Angesichts des riesigen Flickenteppichs von Parteien und Wählerinitiativen, von denen sich viele in seinen Themenfeldern tummeln, dürfte Schoofs eine Wiederholung seines Achtungserfolgs von 2004 (12,9 Prozent) aber kaum gelingen.
Wer zu Hause bleibt, wählt falsch
399 Männer und Frauen aus zehn Parteien und Gruppierungen kandidieren für den Stadtrat und die drei Bezirksvertretungen. Weil es keine Prozenthürde gibt, haben alle zehn Chancen einzuziehen – auch die Populisten vom rechten und linken Rand. Das könnte die Mehrheitsfindung für einen Oberbürgermeister, egal ob der nun Küchler, Buchhorn oder wie auch immer heißt, zu einem Roulettespiel machen. Wer das verhindern will, muss wählen gehen. Je höher die Beteiligung, desto größer die Chance auf klare Mehrheiten, weil so manche kleine Gruppierung dann draußen bleibt. Die Erfahrung aus früheren Wahlen zeigt: Wer zu Hause bleibt, wählt immer die Falschen.
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